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09.07.2014 > Onlinemeldung

Politik und Bundesländer stärken schulische Verbraucherbildung

Politische Unterstützung für Verbraucherbildung wächst
Quelle: 
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Die schulische Vermittlung von Alltagskompetenzen erfährt bundesweit einen Schub. In mehr als einem halben Dutzend Bundesländern steht das kleine Konsum-Einmaleins schon oder bald auf dem Stundenplan. Auch die politische Unterstützung für die Verbraucherbildung wächst. Zuletzt sprachen sich die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) der Länder für deren Verankerung in den Lehrplänen aus.

Konsumentscheidungen können gravierende Folgen haben und müssen daher im Unterricht angemessen thematisiert werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Kultusministerkonferenz und VSMK sowie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Anlass für die Erklärung war eine Fachtagung des vzbv Mitte Juni 2014. 135 Experten aus Politik, Wissenschaft und Bildung diskutierten in Berlin über die Integration von Verbraucherthemen in den Schulunterricht.

Alltagsbewältigung: Kinder und Jugendliche oft überfordert

„Verbraucherbildung ist wichtiger denn je“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Kenntnisse grundlegender Alltagskompetenzen, wie der richtige Umgang mit Geld oder eine gesunde Ernährung, fielen Kindern und Jugendlichen nicht in den Schoß. „Sie werden oft auch nicht mehr in der Familie vermittelt“, so Müller. Die jüngste PISA-Studie zeige, dass 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen wie etwa den Kauf einer Fahrkarte haben.

Der vzbv wirbt seit Jahren für die Vermittlung von Alltagskompetenzen in der Schule. Rückendeckung bekam er im vergangenen Jahr von der Kultusministerkonferenz. Die Bildungsminister der Länder hatten sich im September 2013 in einem Beschluss für mehr Verbraucherbildung an Deutschlands Schulen ausgesprochen. Schulen sollten Themen der Verbraucherbildung „während der gesamten Schulzeit der Kinder und Jugendlichen“ aufgreifen, heißt es darin. 

KMK will Schulen keine Einheitslösung vorschreiben

Sylvia Löhrmann, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen, sagte, die Bundesländer überprüften derzeit ihre Lehr- und Bildungspläne, um die „verbindliche Vorgabe der Kultusministerkonferenz“ umzusetzen. „Wir wollen aber keine Einheitslösung für Schulen vorschreiben“, so die Ministerin. In Löhrmanns Heimat NRW hatte der Landtag Mitte März 2014 beschlossen, Themen der Verbraucherbildung künftig in allen Schulformen und Jahrgangsstufen zu unterrichten.

Dr. Till Backhaus, Vorsitzender der VSMK und Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Mecklenburg-Vorpommern, warb dafür, Verbraucherbildung „als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen“. Nötig seien Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Partnern wie Krankenkassen oder Verbraucherzentralen, außerdem „standardisierte Verfahren, um Lehrer nicht mit dem Wust an Unterrichtsmaterialien alleine zu lassen“. Dafür müsse man auch Geld in die Hand nehmen, so Backhaus.

Nach Erhebungen des vzbv sind viele im Internet frei zugängliche Unterrichtseinheiten zur Verbraucherbildung von unzureichender Qualität. Der Verband hat zur besseren Orientierung den „Materialkompass Verbraucherbildung“ ins Leben gerufen. Lehrerinnen und Lehrer finden in der Online-Datenbank hunderte Unterrichtseinheiten, die zuvor von unabhängigen Bildungsexperten auf den inhaltlich-didaktischen Prüfstand gestellt und mit einer Beurteilung versehen wurden. 

Verbraucherbildung auf dem Vormarsch

vzbv-Vorstand Klaus Müller begrüßte, dass bereits mehrere Bundesländer die Vermittlung von Alltagskompetenzen auf den Stundenplan gesetzt haben oder daran arbeiten. Auf der Fachtagung präsentierten Vertreter aus sechs Ländern entsprechende Bildungspläne und Curricula. Neben Schleswig-Holstein, wo die Verbraucherbildung bereits seit 2009 als eigenständiges Fach auf dem Lehrplan der Sekundarstufe 1 steht, waren dies Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Der Unterricht zu Verbraucherthemen findet überwiegend fächer- und jahrgangsübergreifend statt. Weitere Bundesländer planen, die Verbraucherbildung ebenfalls in die Stundenpläne zu integrieren.

„Die Ziele sind eindeutig, die Wege können vielfältig sein“, sagte Müller zum Abschluss der Tagung. Er forderte die Bundesländer, die noch nicht im Boot sind, auf, Konzepte zur schulischen Verbraucherbildung zu entwickeln und einzuführen. „Dazu gehört die Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer und die Umsetzung der von der Kultusministerkonferenz geforderten Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern, wie etwa den Verbraucherzentralen.“

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