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04.07.2016 > Onlinemeldung

Online-Tracking nur mit Einwilligung

ePrivacy-Richtlinie nach Nutzerinteressen gestalten
Quelle: 
kebox - fotolia.com

Surfen, ohne dass die Wirtschaft interessiert zusieht? Nur schwer möglich. Von den 38 Prozent der Internetnutzer, die laut einer aktuellen Busumfrage von TNS Emnid im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) Adblocker verwenden, möchten sich 26 Prozent in erster Linie vor Online-Tracking schützen.

Die ePrivacy-Richtlinie schreibt seit 2011 eine vorherige Einwilligung vor, wenn Unternehmen durch den Einsatz von Cookies oder anderen Technologien Informationen auf Endgeräten von Nutzern speichern oder von dort abrufen. Doch diese Richtlinie wurde in Deutschland nicht umgesetzt. Daher wird in der Realität von den meisten Webseiten in Deutschland die Widerspruchslösung (Opt-out) praktiziert. Das heißt, dass der Nutzer aktiv widersprechen muss, wenn er nicht möchte, dass sein Verhalten und seine Interessen online erfasst und ausgewertet werden.

Daten auf dem Silbertablett

Wie die aktuelle Umfrage zeigt, verwenden 73 Prozent der Adblocker-Nutzer diese Software, weil sie sich von Online-Werbung gestört fühlen. Jedoch 26 Prozent der Adblocker-Nutzer haben die Software aus Datenschutzgründen aktiviert. Sie wollen sich im Netz bewegen, ohne der Werbewirtschaft ihre Daten auf dem Silbertablett zu servieren. Aus diesem Verhalten entsteht allerdings ein Problem für werbefinanzierte Anbieter im Netz, wie beispielsweise viele Nachrichtenportale. „Adblocker können ein Problem für werbefinanzierte Medien darstellen. Viele Nutzer werden sich aber nicht mit nerviger Werbung und der Nachverfolgung ihrer Aktivitäten und Interessen im Internet abfinden. Daher sollte Werbung unaufdringlicher werden und die Nutzer sollten um Einwilligung gebeten werden, wenn ihr Verhalten getrackt wird. Dann würden vielleicht auch wieder weniger Nutzer Adblocker verwenden“, sagt Florian Glatzner, Referent im Team Digitales und Medien beim vzbv.

Opt-out nicht verbraucherfreundlich

Die gebräuchlichen Widerspruchsverfahren sind meist nicht verbraucherfreundlich. Denn diese Opt-Out-Verfahren werden nur von Verbraucherinnen und Verbrauchern genutzt, die sich der Problematik bewusst sind. Doch die Wahrnehmung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung sollte keine Holschuld des Verbrauchers sein. Was zudem die wenigsten Verbraucher wissen: Das Widerspruchsverfahren hilft nur gegen Tracking durch Cookies, gegen andere Trackingmaßnahmen können sich selbst informierte Nutzer mit Hilfe von installierten Anti-Tracking-Tools kaum schützen.

Kein Tracking ohne klare vorherige Einwilligung

Im Rahmen der Revision der ePrivacy-Richtlinie sollte daher die Regel beibehalten werden, dass stets die vorherige Einwilligung der Nutzer notwendig ist, wenn Unternehmen durch den Einsatz von Cookies oder anderen Technologien die Interessen oder das Verhalten von Nutzern tracken wollen. Diese Regeln sollten für alle Unternehmen – auch in Deutschland - gelten, die das Nutzerverhalten europäischer Verbraucher verfolgen wollen.

Die EU-Kommission wird Ende 2016 oder Anfang 2017 einen Vorschlag zur Revision der ePrivacy-Richtlinie veröffentlichen. Am 05. Juli 2017 endete eine entsprechende Konsultation der EU-Kommission. Den Beitrag des vzbv zur EU-Konsultation (auf Englisch) sowie die Grafiken zur Busumfrage in Druckauflösung finden Sie unten zum Download.

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