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14.03.2013 > Onlinemeldung

Neuwagen verbrauchen 23 Prozent mehr als die Hersteller angeben

Die Verbrauchsangaben für Benzin und Diesel müssen stimmen
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Das Problem ist bekannt, aber es wird immer größer: Neuwagen verbrauchen weitaus mehr Kraftstoff als die Autoindustrie in den offiziellen Verbrauchswerten angibt. Das Prüfverfahren für Neuwagen muss dringend geändert werden.

Eine Studie der Brüsseler NGO „Transport and Environment“ hat hierzu konkrete Fakten ermittelt.

Der Durchschnittsverbrauch eines Neuwagens liegt danach heute in Deutschland um 23 Prozent über den offiziellen Herstellerangaben. Der Unterschied zwischen Normverbrauch und tatsächlichem Kraftstoffverbrauch ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Im Jahr 2001 lag der tatsächliche Verbrauch nur um sieben Prozent höher als unter Testbedingungen ermittelt.

Schlupflöcher für die Autoindustrie

Der heute geltende Testzyklus, in dem die Hersteller ihre Verbrauchsangaben ermitteln, lässt der Autoindustrie eine ganze Reihe von Schlupflöchern, um den Verbrauch im Testverfahren ganz legal nach unten zu manipulieren. Sämtliche stromverbrauchenden Zusatzgeräte wie Klimaanlage, Sitzheizung und Radio werden abgeschaltet, die Reifen werden mit extrem hohem Druck aufgepumpt, die Umgebungstemperatur wird hochgefahren und Türritzen werden abgeklebt, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Tests, die von unabhängigen Instituten unter realitätsnahen Bedingungen durchgeführt werden, führen im Durchschnitt zu Verbrauchswerten, die um 23 Prozent höher liegen als die offiziellen Herstellerangaben. Dazu kommt, dass die im Testverfahren unterstellte Fahrweise nicht repräsentativ ist, dass beispielsweise Start- und Stopp-Situationen einen zu hohen Anteil einnehmen.

Realistische Testverfahren auch für CO2-Grenzwerte von PKW

Nach einer Untersuchung im Auftrag der Europäischen Kommission stehen auch die Fortschritte, die über die letzten Jahre bei der Minderung der CO2-Emissionen von Neuwagen erreicht worden sind, zu einem guten Teil nur auf dem Papier. Zwischen 30 und 50 Prozent der zwischen 2002 und 2010 erreichten CO2-Reduktionen sind hiernach gar nicht real, sondern auf Schlupflöcher und mangelnde Repräsentativität des Prüfverfahrens zurückzuführen.

Vor diesem Hintergrund fordert der vzbv die Bundesregierung dazu auf, sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass ein realistischeres Prüfverfahren für Neuwagen eingeführt wird. Angesichts hoher Kraftstoffpreise müssen die Arbeiten an einem weltweit einheitlichen Testzyklus die nötige politische Priorität genießen. Ein realistisches Testverfahren muss auch die Basis der auf EU-Ebene diskutierten CO2-Grenzwerte von PKW sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass die EU-Gesetzgebung zu CO2-Grenzwerten sich am Ende für Verbraucher auch in Form von gesparten Spritkosten auszahlt.

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