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17.08.2012 > Onlinemeldung

Neuer Risikostrukturausgleich bei Krankenkassen

Bundesversicherungsamt beschließt neue Regeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen
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Der „morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich“ (Morbi-RSA) hat Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung aller gesetzlich Versicherten in Deutschland. Im Rahmen des Morbi-RSA werden die Zuweisungen der Versichertengelder an die gesetzlichen Krankenkassen berechnet. Für Patienten mit schwerwiegenden und chronischen Krankheiten bekommen die Krankenkassen mehr Geld. Jetzt hat das Bundesversicherungsamt eine Rechenregel geändert: Durch die „Annualisierung der Ausgaben Verstorbener“ bekommen Krankenkassen ab sofort für das volle Kalenderjahr Zuweisungen, auch wenn die Patienten schon vor Ablauf des Jahres verstorben sind.

Von der neuen Regel profitieren vor allem Kassen mit älteren Versicherten. „Das ist der richtige Schritt für die Versicherten“, sagt Ilona Köster-Steinebach, Referentin für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Die Krankenkassen müssen auch ältere und kranke Versicherte bereitwillig aufnehmen.“

Die Logik hinter dem Morbi-RSA ist einfach: Jede Krankenkasse soll genau die Zuweisungen aus dem Pool aller Versicherungsbeiträge erhalten, die sie für die Versorgung ihrer Versicherten unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und bestehenden Krankheiten braucht. Kassen, die schlechter wirtschaften und mehr ausgeben als der Durchschnitt, machen Defizite; Kassen, die ihre Kranken klug versorgen, fahren Überschüsse ein.

Schieflage bei den Finanzzuweisungen

Das System funktioniert aber nur, wenn die Zuweisungen stimmen. In der Vergangenheit gab es vor allem bei den Zuschüssen für alte und schwer erkrankte Menschen Probleme. Für diese erhalten Krankenkassen zu wenig Geld. Für junge und gesunde Menschen bekommen sie nach wie vor zu viel. Das Ergebnis: Auch wenn gesetzliche Krankenkassen keinem gesetzlich Versicherten die Mitgliedschaft verweigern dürfen, sehen sie ältere und kränkere Menschen lieber gehen als kommen. Die Kassen, die von der Schieflage profitieren, können besonders viel Geld für Satzungsleistungen ausgeben, um noch mehr junge, gesunde Versicherte zu werben. Diese Mittel stehen wiederum weder für dringende Versorgungsleistungen zur Verfügung, noch können Beiträge gesenkt oder etwa die Praxisgebühr abgeschafft werden.

„Das ist eine Verschwendung der Versichertengelder. Um die Schieflage zu korrigieren, muss das Versicherungsamt die Finanzzuweisungen noch zielgenauer justieren“, sagt Köster-Steinebach. Sie fordert weitere Verbesserungen des Morbi-RSA, insbesondere um Patienten mit Behinderungen und schweren beziehungsweise mehrfachen Erkrankungen so zu erfassen, dass ihre Versorgung langfristig sichergestellt ist. „Es darf nicht sein, dass Menschen wegen ihrer Behinderung, ihres Alters oder ihrer Erkrankung den Eindruck bekommen, ihre Krankenkasse wäre sie am liebsten los.“