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05.06.2014 > Onlinemeldung

Negative Einlagezinsen nicht an Verbraucher weitergeben

EZB beschließt Absenkung des Zinsniveaus
Quelle: 
opolja - fotolia.com

In ihrer heutigen Ratssitzung hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine weitere Absenkung des Zinsniveaus beschlossen. Erstmals gilt dabei auch ein negativer Zins auf kurzfristige Einlagen von Banken bei der EZB. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert den Bankensektor auf, negative Einlagezinsen nicht an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterzugeben.

Zwei Bankenverbände hatten in dieser Woche angekündigt, negative Zinsen nicht auf ihre Kunden abzuwälzen. „Beim Verzicht auf negative Einlagezinsen nehme ich die Banken beim Wort. Dass die Übertragung geldpolitischer Impulse nicht funktioniert, darf nicht zu Lasten der Verbraucher gehen“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Kern der heutigen Beschlüsse der EZB ist die Absenkung wichtiger Leitzinssätze. Der zentrale Refinanzierungszins der Banken sinkt von 0,25 auf 0,15 Prozent. Der Guthabenzins, zu dem Banken nicht benötigte Liquidität über Nacht bei der EZB anlegen können, wird erstmals negativ und beträgt nun minus 0,1 Prozent. Flankiert wird die Zinssenkung durch zusätzliche Liquiditätsspritzen, so genannte langfristige Refinanzierungsoperationen und ein Programm zum Ankauf von Wertpapieren.

Wenig Stimulation für Kreditvergabe

Von einem negativen Einlagezins erhofft sich die EZB positive Auswirkungen auf die Kreditvergabe in den Südländern des Euroraums. Die mangelnde Verfügbarkeit von Krediten für kleinere und mittlere Unternehmen gilt als ein Grund für die schleppende Preisentwicklung. In Teilen des Euroraums ist die Inflation bereits seit Längerem negativ. Es besteht die Befürchtung, dass aus solchen regionalen Preisanpassungen eine breit angelegte Deflation entstehen könnte. Im Mai war der Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr innerhalb der Eurozone auf einen Wert von 0,5 Prozent gefallen. Die EZB peilt eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent an.

 Aus Sicht des vzbv ist die Wirkung negativer Einlagezinsen begrenzt. Zum einen betrugen die Forderungen der EZB aus kurzfristigen Einlagen des Bankensektors Ende Mai 2014 lediglich knapp 24 Milliarden Euro. Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Banken- und Staatsschuldenkrise im Frühjahr 2012 hielten Banken zeitweilig über 800 Milliarden Euro bei der EZB. Zum anderen ist das Kreditangebot der Banken nicht der einzig begrenzende Faktor für mehr Wachstum in Europa. Vielmehr hemmen Faktoren wie die weiterhin bestehende Unsicherheit über die Stabilität des Bankensektors und der Wirksamkeit der Finanzmarktreformen die Nachfrage nach Krediten.

Risiken für Finanzstabilität behindern Normalisierung

Aus Verbrauchersicht sind die Risiken für die Finanzstabilität zentral. Denn eine erneute Bankenkrise wäre nur mit Hilfe ihrer Steuergelder zu bewältigen. Gleichzeitig kann ein Ausstieg aus der Niedrigzinsphase nur auf Grundlage eines robusten Bankensektors gelingen. „Für eine Normalisierung des Zinsumfelds ist es unabdingbar, dass Banken ihre Risikotragfähigkeit erhöhen. Probleme einfach bilanziell auszulagern oder schönzurechnen ist keine Lösung“, so Müller. Die EZB selbst hatte in ihrem kürzlich erschienenen Finanzstabilitätsbericht erst vor dem Aufbau neuer Risiken gewarnt.