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16.06.2014 > Onlinemeldung

Nach EZB-Leitzinssenkung: Dispozinsen immer noch zu hoch

vzbv fordert gesetzlichen Dispodeckel
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Im Anschluss an die erneute Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben etliche Banken auch die von ihnen erhobenen Dispozinsen gesenkt. Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) liegt das Niveau aber weiterhin deutlich zu hoch. Um die Dispozinsen langfristig auf ein für Verbraucher akzeptables Maß zu bringen, braucht es einen gesetzlichen Deckel. 

„Eine Senkung des Dispozinses um 0,1 Prozent hilft Verbrauchern nicht weiter. Der Dispozins ist grundsätzlich überhöht und hat mit gängigen Marktzinsen nichts zu tun. Es fehlt an Wettbewerb und damit an Nachfragedruck“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim vzbv.

Politik muss Dispodeckel durchsetzen

Zum Schutz betroffener Verbraucher vor überhöhten Dispozinsen hat die Große Koalition die Einführung von Warnhinweisen und verpflichtenden Beratungsangeboten zur Umschuldung vorgeschlagen, falls Verbraucher den Dispo nicht ausschließlich kurzfristig nutzen. Der vzbv hält diese Vorhaben für einen ersten richtigen Schritt. Letztlich sind sie aber unzureichend, um das Problem des überhöhten Zinsniveaus zu lösen. Dies sei nur über eine gesetzliche Regelung zur Begrenzung des Dispozinses zu erreichen. „Wenn der Markt versagt, muss die Politik eingreifen. Das gilt auch beim Dispozins. Vorstellbar wäre beispielsweise ein Deckel mit einer sieben-plus-Regelung. Das heißt ein Sockelzins von sieben Prozent plus den Dreimonats-Euribor als variablen Geldmarktzinssatz“, so Mohn.

Verbraucherministerkonferenz plant Überprüfung

Auf die Notwendigkeit einer gesetzlichen Deckelung des Dispozinses zum Schutz vor Überschuldung hatte im Mai 2014 auch die Konferenz der Verbraucherschutzminister der Länder hingewiesen. Demnach sollte die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Deckelung vorlegen, falls die Zinsen für den Dispo und die so genannte geduldete Überziehung nicht innerhalb der nächsten sechs Monate auf ein angemessenes Niveau gesenkt werden. „Die Ankündigung der Ministerkonferenz zur Einführung eines Dispodeckels ist zu begrüßen. So lange es keinen echten Wettbewerb gibt, muss die Politik für ein besseres Marktergebnis sorgen“, fordert Mohn.