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29.12.2011 > Onlinemeldung

Kostenbelastungen und finanzielle Risiken von Patienten senken

Quelle: 
opolja - fotolia.com

Gebühren, Zuzahlungen und Eigenleistungen belasten ausgerechnet diejenigen, die ohnehin schon mit Krankheit und Einschränkungen zu kämpfen haben. Es fehlt an Transparenz über die finanziellen Folgen.

Derzeit etwa 5 Milliarden Euro leisten die Patientinnen und Patienten pro Jahr neben ihren Krankenversicherungsbeiträgen an Praxisgebühren und Zuzahlungen zu ambulanten und stationären Behandlungen, Krankentransporten, Heil- und Hilfsmitteln sowie Medikamenten. Darunter fallen nicht einmal die Ausgaben für Leistungen, zu denen die Kasse von vornherein keinen Beitrag leistet. Beispiele für nicht übernommene Kosten sind Sehhilfen für Erwachsene, frei verkäufliche Medikamente oder ganz allgemein die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) wie etwa die professionelle Zahnreinigung.

Wieviel müssen Patienten selbst bezahlen?

Dabei ist oft nicht nur die Höhe der finanziellen Belastung ein Problem. In wachsendem Umfang sehen sich Patientinnen und Patienten mit Situationen konfrontiert, in denen sie vorab nicht wissen, in welcher Höhe Forderungen auf sie zukommen. Als Verbraucherzentrale Bundesverband richten wir unsere Arbeit deshalb nach folgenden Prinzipien aus:

  • Alle medizinisch notwendigen Leistungen gehören in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Das gilt auch für Innovationen in der Versorgung. Diese Leistungen müssen möglichst wirtschaftlich erbracht werden.
  • Zuzahlungen müssen so gestaltet sein, dass sie vor der Inanspruchnahme einer Leistung in ihrer Höhe transparent sind und die durch Krankheit oder Behinderung ohnehin strapazierte finanzielle Leistungsfähigkeit der Betroffenen nicht überfordern.
  • Alle Leistungen, die Patientinnen und Patienten angeboten werden, müssen nachgewiesen haben, dass sie die Patientensicherheit gewährleisten, das heißt dass ihr Nutzen den möglichen Schaden - etwa durch Nebenwirkungen - mit hoher Wahrscheinlichkeit überwiegt.
  • Entscheidungen von informierten Patientinnen und Patienten setzen unabhängige, verständliche und möglichst vollständige Informationen voraus.

Ein Beispiel, bei dem diese Prinzipien zu einer konkreten politischen Position führen, ist die Kostenerstattung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband setzt sich für die Abschaffung der Kostenerstattung nach § 13 Sozialgesetzbuch (SGB) V ein. Diese beinhaltet, dass Behandlungen in der Form von Privatleistungen von Patientinnen und Patienten direkt zu bezahlen sind, während sie von ihrer gesetzlichen Krankenkasse nur die Höhe der Kassenvergütung erstattet bekommen. Die Differenz zwischen beiden Summen, die leicht über 50 Prozent der Rechnung betragen kann, muss selbst übernommen werden.

Keine Aufklärungspflicht für Ärzte

Trotz der zum Teil erheblichen Summen besteht derzeit keine Verpflichtung für die Ärzte, über die Höhe des Eigenbeitrags vorab schriftlich aufzuklären. Außerdem kann es bei diesem System zu schwerwiegenden Benachteiligungen für alle jene Betroffenen kommen, die sich die Kostenerstattung nicht leisten können.

Häufig wird der Ruf nach einer Ausweitung der Kostenerstattung damit begründet, dass man gegenüber Patientinnen und Patienten Transparenz bezüglich der Höhe von Behandlungskosten schaffen will. Um das Ziel der Transparenz zu erreichen, schlägt der Verbraucherzentrale Bundesverband stattdessen vor, die sogenannte Patientenquittung auszuweiten. Bereits heute können Patienten einmal pro Quartal eine Übersicht über die bei ihnen erbrachten Leistungen und ihre Kosten vom behandelnden Arzt verlangen. Diese Information sollte in Zukunft um die gestellten Diagnosen ergänzt, patientenverständlich gestaltet und verpflichtend einmal im Quartal an Patientinnen und Patienten übermittelt werden. Diese erhalten so die nötigen Informationen, um sich verantwortungsbewusst gegenüber ihrer eigenen Gesundheit und den finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen zu verhalten.