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05.06.2012 > Onlinemeldung

Keine Politik im Supermarkt

Siegel und Label helfen bei der Orientierung im Konsumalltag. Gesetzgebung und Rechtsdurchsetzung ersetzen sie nicht.
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Nachhaltiger Konsum boomt. Vor allem wer politisch korrekt einkaufen möchte, verlässt sich auf Siegel unabhängiger Organisationen oder Testurteile der Stiftung Warentest. Doch vermehrt drängen Anbieter-Label auf den Markt. Ihre Aussagen sind meist nicht überprüfbar und Vergleiche aufgrund der Masse an unterschiedlichen Informationen kaum möglich.

Ein zuverlässiges Label ist nicht nur ein Aufkleber, den man vergibt. „Jedes Siegel muss bestimmten Qualitätsanforderungen entsprechen“, sagt Judith Vitt vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

So sollten Bewertungsmaßstäbe und Prozesse hinter einem Siegel nachvollziehbar sein und Kontrollen unabhängig und von externen Prüfern durchgeführt werden. Auch sollte klar sein, was das Label eigentlich aussagt. Denn: „Bio ist nicht gleich fair und Klimabilanzen haben nichts mit sozialverträglichen Arbeitsbedingungen zu tun“, so Vitt. Siegel sollten Verbrauchern bei der Entscheidung helfen, welche Aspekte sie beim Kauf eines Produkts unterstützen wollen und welche nicht.

Grenzen von Siegeln

Doch während in politischen Diskussionen über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen häufig darauf hingewiesen wird, wie entscheidend die Rolle der Verbraucher sei, stellt Judith Vitt eines klar: „Politischer Konsum ist keine Alternative zur Politik.“ Ökologisches Bewusstsein im Alltag ersetze nicht die Festlegung und Durchsetzung eines gesetzlichen und politischen Rahmens. Zudem fehlten Verbrauchern oftmals wichtige Informationen.

Verpflichtende Offenlegung von Informationen

Die vzbv-Expertin schlägt darum vor, eine verbindliche Offenlegungspflicht zu den ökologischen, menschenrechtlichen und anderen gesellschaftlich relevanten Aspekten des Kerngeschäfts von Unternehmen einzuführen. „Unabhängige und kritische Akteure der Zivilgesellschaft benötigen wesentliche Informationen, damit sie zu Bewertungen kommen, die der Realität gerecht werden.“

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