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07.02.2012 > Onlinemeldung

Jeder fünfte Werbeeuro für Süßigkeiten

Die Selbstverpflichtung der Lebensmittelwerbung läuft ins Leere
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Nielsen wurden im Jahr 2010 über 3,2 Milliarden Euro für die Lebensmittelwerbung ausgegeben. Davon ging jeder fünfte Euro in die Werbung für Süßigkeiten. Gegenüber 2008 nahmen die Ausgaben für die Bewerbung von Süßigkeiten um 100 Millionen Euro zu. Gleichzeitig gilt seit 2009 eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft, deren Ziel – zumindest aus Sicht der Politik – es war, die an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung einzuschränken. Wie passt das zusammen?

Die Vorgeschichte: Im Rahmen von IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung – kündigte die Bundesregierung 2008 eine Vereinbarung mit der Lebensmittelwirtschaft an. Das Ziel: Verzicht auf Werbung gegenüber Kindern unter 12 Jahren. Doch die 2009 verabschiedete Selbstverpflichtung blieb sehr vage. Von Verzicht war keine Rede mehr, sondern nur noch davon, Kinder nicht in unangemessener Weise anzulocken. Kein Wunder also, dass auch die Wirkung bisher ausblieb.

Mehr als zwei Jahre nach der Selbstverpflichtung zeigt ein Blick in die Supermarktregale, dass auch weiterhin Kinder durch Comic-Helden, Spielzeugzugaben, Aufkleber, Sammelpunkte, Gutscheine und Gewinnspiele angelockt werden. Im Internet bieten die Hersteller für spezielle Kinderlebensmittel eigene Internetseiten für Kinder an – mit Spielen, Videos und Hinweisen auf aktuelle Marketingaktionen. Auch die Fernsehwerbung für Süßigkeiten habe durch die Selbstverpflichtung nicht abgenommen, sondern stattdessen sogar zugenommen, so das Ergebnis einer Untersuchung der Universität Hamburg, die Werbespots auf bei Kindern beliebten Fernsehkanälen unter die Lupe nahm.

„Statt ständig auf die Verantwortung von Eltern und Lehrern zu verweisen, muss die Industrie ihrer eigenen Verantwortung nachkommen und endlich mit der Ködertaktik aufhören“, so Evelyn Schmidtke, Fachbereichsleiterin für Gesundheit und Ernährung im vzbv. Klare Restriktionen für die Bewerbung von sogenannten Kinderlebensmitteln müssten ein Baustein innerhalb einer Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Übergewicht sein. „Wenn die Wirtschaft es nicht schafft, muss die Bundesregierung für einen Verzicht der Werbung an Kinder sorgen – mit klaren Zielen, einer unabhängigen Überwachung und Sanktionen.“

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