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28.07.2014 > Onlinemeldung

Honoraranlageberatungsgesetz tritt am 1. August in Kraft und ist schon überholt

vzbv fordert schnelle Ausweitung auf alle Finanzprodukte
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Ab 1. August gilt das Honoraranlageberatungsgesetz. Das neue Gesetz schafft aber nur eine rechtliche Grundlage für Honorarberatungen für Wertpapiere und Vermögensanlagen. Beratungen für andere wichtige Finanzprodukte wie Kapitallebensversicherung oder Bausparverträge bleiben ausgenommen. Eine verbraucherfreundliche Rundumberatung ist so nicht möglich. Die Honorarberatung kann mit dieser Produktsegmentierung nicht funktionieren, weil so eine ganzheitliche Beratung ausgeschlossen ist. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert daher eine zügige Reform des Gesetzes, wie sie im Koalitionsvertrag auch angekündigt wurde.

Das Honoraranlageberatungsgesetz wurde bereits im Juli 2013 beschlossen. Es schafft Informations- und Aufklärungspflichten über Status und Vergütung der Honorarberater. Es soll sichergestellt werden, dass Honorarberater, die zu Wertpapieren oder Graumarktprodukten beraten, das Beratungsentgelt direkt von den Verbrauchern erhalten, also keine Provisionen einbehalten dürfen.

Ursprungsidee ausgehebelt

Der vzbv hatte schon während des Gesetzgebungsverfahrens moniert, dass das Gesetz nur die Beratung zu Wertpapieren und Vermögensanlagen regeln soll. Andere Kapitalanlagen wie Versicherungen, Bausparpläne oder Spareinlagen sind ausgenommen. Das aber hebelt die Ursprungsidee der Honorarberatung aus. „Honorarberater sollen unabhängige Konzepte für eine vollumfängliche Finanzplanung ihrer Kunden erstellen. Die Beratung muss aus einem Guss sein. Deshalb muss ein Honorarberater zu allen Finanzprodukten provisionsfrei beraten“, fordert Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen beim vzbv.

 

Laut Koalitionsvertrag soll die Honorarberatung als Alternative zur Beratung auf Provisionsbasis für alle Finanzprodukte vorangetrieben werden. Für wirklich verbraucherorientierte Lösungen muss die Regulierung der Honorarberatung für das gesamte Spektrum der Finanzprodukte gelten. „Das jetzt in Kraft tretende Gesetz wird diesem Anspruch nicht gerecht. Es muss jetzt schnell nachgebessert werden.“ 

 

Provisionsberatung entspricht nicht den Bedürfnissen der Verbraucher

Damit sich die Honorarberatung als Alternative behaupten kann, müssen die Gebühren mit dem Provisionsvertrieb vergleichbar sein. Provisionszahlungen müssen klar strukturiert und leicht verständlich offengelegt werden. „Provisionen sollten in einer separaten Rechnung auf den Tisch gelegt werden“, so Mohn.

Weitere Anpassungen sind notwendig

Bei der weiteren Novellierung des Gesetzes müssen aus Sicht des vzbv folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Provisionsbasierte Finanzvermittlungen sind ihrem Wesen nach Verkaufsgespräche. Die neutrale Beratung der Kunden kommt zu kurz. Zur Klarheit für den Verbraucher ist die Nutzung der Begriffe „Beratung“ und „beraten“ im Kontext mit provisionsbasierten Finanzdienstleistungen daher zu verbieten.
  • Honorarberater müssen gesetzlich verpflichtet sein, die für den Anleger individuell am besten geeigneten Produkte am Markt zu identifizieren. Um dies zu gewährleisten, verpflichtet eine Änderung im Wertpapierhandelsgesetz den Berater bereits dazu, sich einen hinreichenden Marktüberblick zu verschaffen. Diese Verpflichtung muss aber konkretisiert werden. Sollte ein eigenes oder konzerneigenes Produkt des Honorarberaters am besten für den Kunden geeignet sein, so muss dies der Berater klar darlegen und begründen können.
  • Es ist klarzustellen, dass Zuwendungen und Vertriebsanreize durch Dritte für die Honorarberatung ausgeschlossen sind.
  • Jegliches Eigeninteresse muss gegenüber dem Kunden in Euro und Cent quantifiziert werden. Ausnahmen für Festpreisgeschäfte, um Provisionszahlungen zu umgehen, müssen für die Honorarberatung gesetzlich ausgeschlossen werden.
  • Unternehmen ist es derzeit möglich, mit getrennten Abteilungen Honorarberatung und Provisionsvertrieb anzubieten. Diese Ausnahmeregelung muss abgeschafft werden.