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13.06.2016 > Onlinemeldung

Grünes Licht für Vereinfachung des Energielabels

Energieausschuss des EU-Parlaments legt Position zur Energielabel-Verordnung vor
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Das EU-Energielabel für Elektrogeräte wird zurzeit überarbeitet. Am 14. Juni 2016 hat der Energieausschuss des Europaparlaments seine Position zur neuen Energielabel-Verordnung vorgelegt, die aber noch vom Parlamentsplenum verabschiedet werden muss. Künftig soll für alle Geräteklassen einheitlich das Kennzeichnungssystem A (sehr effizient) bis G (sehr ineffizient) gelten. Die Kennzeichnungen mit einem Plus, A+++, A++ und A+ für verschiedene Geräteklassen sollen entfallen. Verbraucherinnen und Verbraucher hätten damit mehr Klarheit bei der Auswahl der effizientesten Geräte. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt diesen Ansatz, fordert die Abgeordneten aber auf, für kürzere Umstellungszeiten vom alten auf das neue System einzutreten. Auch muss die Marktüberwachung verbindlich gemacht werden.

Das Energielabel für Elektrogeräte wie Kühlschränke, Spülmaschinen und Staubsauger ist ein wichtiges Instrument der Verbraucherinformation. Mehr als 80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher kennen und berücksichtigen es bei ihren Kaufentscheidungen. Die Absicht hinter der Kennzeichnung ist, den Käufern zu ermöglichen, mit ihrer Entscheidung für ein energieeffizientes Gerät Strom zu sparen. Doch genau das wird ihnen aktuell noch unnötig erschwert. So bekommen große Produkte mit relativ niedrigem Verbrauch, aber absolut betrachtet höheren Werten, mitunter ein besseres Ranking auf der Energieeffizienzskala. Die tatsächliche Einsparung auf der Stromrechnung bleibt dann trotz energiebewusster Kaufentscheidung aus.

Derzeit zu viele unterschiedliche Regeln

Ein weiteres Problem liegt aktuell in den vielen unterschiedlichen Kennzeichnungsregeln und -abstufungen. Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen beim vzbv: „Während momentan A bei Staubsaugern das effizienteste Gerät auszeichnet, dürfen zukünftig Waschmaschinen der Klasse A neu nicht einmal mehr in den Markt kommen. Für Verbraucher ist das nicht immer nachvollziehbar. Gut, dass mit diesem Wirrwarr bald Schluss sein soll.“

vzbv fordert rasche Umsetzung der neuen Kennzeichnung

Grundsätzlich geht die Position des Parlamentsausschusses mit der neuen Kennzeichnungsskala A-G aus Sicht des vzbv in die richtige Richtung. Ministerrat und Kommission hatten sich zuvor ähnlich positioniert. Die Umstellung vom aktuellen auf das neue System könnte sich aber länger hinziehen: Der Energieausschuss sieht bis zu fünf Jahre vor, in Ausnahmen kann es noch länger dauern. Der vzbv fordert die Überarbeitung aller Produktgruppen auf drei Jahre zu verkürzen und das rasche Umlabeln sich bereits im Handel befindlicher Geräte, um die Transparenz der Marktsituation zu erhalten. Andernfalls droht beim Systemwechsel Verwirrung und ein offenes Tor für Verbrauchertäuschung. So wird ein bereits von A++ zu B umgelabeltes Gerät, obwohl gleichwertig in der Effizienz, neben einem A++ - Gerät der alten Effizienzkennzeichnung im Vergleich als schlechter wahrgenommen. Des Weiteren tritt der vzbv für eine verbindliche Marktüberwachung ein. Die Vorgaben diesbezüglich haben bislang lediglich einen Soll-Charakter und laufen Gefahr, in der Praxis nur bedingt Anwendung zu finden.

Wenn bei bestimmten Geräteklassen aufgrund neuer Ökodesign-Anforderungen die  Effizienzklassen F und G nicht länger auf den Markt kommen dürfen, soll dies auf dem Label grau kenntlich gemacht werden. Im Text des Europäischen Parlamentsausschusses ist eine von der Kommission vorgeschlagene Datenbank enthalten. Diese Datenbank soll Informationen zu allen innerhalb der EU in den Verkehr gebrachten Produkten enthalten. Beide Vorhaben werden vom vzbv als positiv bewertet.

Wertvolle Zeit vergeudet

Eine Chance haben die Parlamentarier aber vertan: Der für das EU-Parlament zuständige Berichterstatter, Dario Tamburrano, MEP, Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokraktie, erhielt vom Ausschuss kein Mandat für einen Verhandlungsbeginn mit Vertretern des Rates. Diese Entscheidung muss nun später vom Plenum des Europaparlaments getroffen werden. Damit wird wertvolle Zeit für die rasche Umsetzung der geplanten neuen Kennzeichnungsregeln verschenkt.

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