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24.05.2016 > Onlinemeldung

Geoblocking von Filmdiensten in Europa

Filmstudios müssen Weg frei machen für grenzüberschreitenden Zugang
Quelle: 
Piotr Adamowicz - fotolia.com
  • Die EU-Kommission leitete 2014 wegen Filmlizenzvereinbarungen zwischen Studios und Sendern ein Wettbewerbsverfahren ein.
  • Mittels Geoblocking sollen Video-on-Demand und Pay-TV-Anbieter Abonnements aus anderen EU-Ländern verhindern.
  • Der vzbv formuliert seine Forderungen in einem offenen Brief an EU-Wettbewerbskommissarin Marghrete Vestager.

Die Europäische Kommission hat 2014 ein Wettbewerbsverfahren eingeleitet, um Verträge zwischen den größten europäischen Pay-TV-Anbietern wie Sky UK und sechs großen US-amerikanischen Filmstudios, darunter Paramount Pictures, unter die Lupe zu nehmen. Nach Auffassung der Wettbewerbshüter hindern die Klauseln Video-on-Demand- (VoD) und Pay-TV-Anbieter daran, europäischen Verbrauchern außerhalb des Vereinigten Königreichs und Irlands ihre Abonnements zu verkaufen. Dies schränke den Wettbewerb innerhalb der EU widerrechtlich ein. So soll beispielsweise Nutzern aus Deutschland mithilfe von Geoblocking der Zugang zu Sky UK´s Online-Diensten verweigert werden.

Güteangebot von Paramount Pictures

Ende April 2016 hat Paramount Pictures der EU-Kommission ein Verpflichtungsangebot gemacht, um die Wettbewerbsbedenken auszuräumen. Paramount bietet nun an, keine Verträge mit europäischen Pay-TV-Sendern mehr abzuschließen, zu verlängern oder existierende Verträge rechtlich durchzusetzen, die Verkäufe an Verbraucher aus anderen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) unterbinden. Somit könnten die Sender Paramounts Inhalte über ihre VoD- und Pay-TV-Dienste auch EU-weit verkaufen.

Keine Aufteilung des EU-Binnenmarkts nach nationalen Grenzen

Die Kommission gab betroffenen Marktteilnehmern die Möglichkeit, bis zum 23. Mai zum Verpflichtungsangebot von Paramount Stellung zu nehmen. Dem kam der vzbv in Form eines offenen Briefes an die für Wettbewerbsfragen zuständige EU-Kommissarin Marghrete Vestager nach. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt darin den Lösungsvorschlag von Paramount Pictures, die Geoblocking-Klauseln zu streichen. Der vzbv fordert die übrigen Filmstudios auf, entsprechend nachzuziehen.

Nach Ansicht des vzbv sollten Rechteinhaber Videostreaming-Diensten oder Pay-TV-Betreibern grundsätzlich nicht verbieten dürfen, ihr Angebot auch Verbrauchern aus anderen Ländern zu verkaufen. Dies schränke den Wettbewerb und die Vielfalt der Angebote für die Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU ein.

Weg frei für europaweiten Zugang zu Pay-TV- und VoD-Diensten

Die übrigen fünf Filmstudios sollten nachziehen und den Weg dafür frei machen, dass VoD- und Pay-TV Dienste auch Verbrauchern aus anderen Ländern Europas zur Verfügung stehen. Miika Blinn, Referent im Team Digitales und Medien beim vzbv: „Wenn Paramount den Sendern erlauben kann, die eigenen Filme und Serien über Satellit und Online-Plattformen an Verbraucher aus ganz Europa zu verkaufen, muss dies rechtlich auch den anderen Filmstudios möglich sein.“

Eine aktuelle Umfrage des vzbv zeigt: Die große Mehrheit der deutschen Verbraucher wollen Sportsendungen, Filme oder TV-Serien aus dem EU-Ausland abonnieren können.

Der vzbv ist Mitglied des Dachverbands der europäischen Verbraucherorganisationen (BEUC), die als interessierte Partei in das Verfahren eingebunden ist.

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