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06.03.2013 > Onlinemeldung

Futtermittelskandal – was dahinter steckt

Interview mit Jutta Jaksche, Referentin für Ernährungspolitik im vzbv
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Die europäische Gesetzgebung stellt annähernd gleiche Anforderungen an Lebensmittel und Futtermittel. Denn eine schlechte Futtermittelqualität hat direkten Einfluss auf die Qualität der Lebensmittel. Klar ist: Lebens- und Futtermittel müssen sicher sein. Aber was sind die Gründe für den neuesten Futtermittelskandal? Wie konnte Tierfutter, das mit dem Schimmelpilz Aflatoxin belastetet ist, in diesen Mengen auf den Markt kommen? Was fordert der vzbv?

In Niedersachsen wurde in der letzten Woche bekannt, dass insgesamt 10 000 Tonnen Futtermais zu Futtermais verarbeitet wurden, bei dem das Schimmelpilzgift Aflatoxin nachgewiesen werden konnte. Der Mais wurde aus Serbien importiert. Schon seit längerem war Behörden und der Wirtschaft bekannt, dass es in Serbien Futtermittelbestände vorlagen, die aufgrund von schlechten Witterungsbedingungen diese hohen Aflatoxingehalte aufwiesen.

Wieder ein Skandal innerhalb kurzer Zeit. Sind diese Vorgänge überhaupt vergleichbar?
Nein, wir haben verschiedene Arten von Problemen und dementsprechend auch andere Lösungen. Beim Pferdefleisch- und Eierskandal wurde falsch deklariert. Beide Fälle betreffen die Kennzeichnung von Lebensmitteln, was aber keine Bagatelle ist. In dem neuesten Fall haben wir mit Schimmelpilz verunreinigtes Futter - das hätte zu einem erheblichen Gesundheitsproblem führen können.

Wie bewertet der vzbv diesen Futtermittelskandal?
Der Schimmelpilz Aflatoxin ist ein starkes, in der Natur vorkommendes Gift und sollte nicht in den Futter- und Lebensmittel-Kreislauf kommen. Zum Glück bestehen für die Verbraucher nach bisherigem Wissensstand keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Diese Futtermittel mit zu hohen Aflatoxin-Werten hätten nicht auf den Europäischen Markt kommen dürfen.

Wie häufig kommen Schimmelpilze im Futtermittel vor?
Aflatoxin-Verunreinigungen in Futtermitteln sind gar nicht so selten. Sie sind auch ein Zeichen von schlechter landwirtschaftlicher Praxis, wenn die hofeigene Futtermittelherstellung nicht gut funktioniert. Wenn Futter zum Beispiel zu feucht geerntet oder gelagert wurde.

Wir stellen uns natürlich die Frage, wie es dazu kommen konnte: Wieso wurde diese doch recht große Menge in der Kette von Importeur oder Zwischenhändler ins Mischfutter-Werk nicht bemerkt und dann auch noch zu Mischfutter verarbeitet und anschließend vermarktet? Dazu muss man sich die Situation ansehen, wie dieses Problem entsteht.

Es heißt dass die Probleme häufig nesterweise auftauchen. Was bedeutet das?
Die Aflatoxine treten oft als Nester auf. Das bedeutet, dass immer dort, wo feuchte Stellen sind, sich ein Nest bildet, eine räumliche begrenzte Ansammlung von diesen Giften. Und wenn man jetzt Stichproben nimmt und Pech hat, dass man grade da sucht, wo kein Nest vorhanden ist, dann sieht es so aus, als wären keine Aflatoxine vorhanden. Dann würde das Produkt in den Verkehr gebracht werden.
Es müssten allerdings wesentlich mehr Verdachtskontrollen genau auf dieses Problem hin durchgeführt werden. Es müssten so viele Proben gezogen werden, dass man das Problem weitgehend ausschließen kann. Das verteuert natürlich das Verfahren, wäre aber hier durchaus angebracht.

Was für Probleme gibt es zu bewältigen, damit es nur noch sicheres Futter gibt?
Die europäische Gesetzgebung stellt annähernd gleiche Anforderungen an Lebensmittel und Futtermittel, weil klar ist, dass eine schlechte Futtermittelqualität direkten Einfluss auf die Qualität der Lebensmittel haben kann. Lebens- und Futtermittel müssen sicher sein, und dafür haftet der Importeur.
Aber durch die immer länger werdenden Ketten wird die Kontrolle sehr viel schwieriger. Entscheidend ist, dass der Importeur dieser Aufgabe ausreichend nachkommt. Die Lebensmittelüberwachung muss sich die Daten genauer anschauen und strenger bewerten, ob diese Vorsichtsmaßnahmen ausreichend waren.

Welche Forderungen ergeben sich für den vzbv daraus?
Für den Import in die EU gelten besondere Regeln. Aber da wir in großem Stile Tiere halten, wird der Futterhunger immer größer und wir importieren von immer weiter her das Futter. Das bedeutet, dass wir mehr Aufwand betreiben müssen, um die Importeure zu kontrollieren, ob die Qualität der importierten Ware auch ausreichend gesichert ist.

Stufenübergeifende Konzepte bei der Kontrolle werden für die immer länger werdenden Wege wichtiger. Wir müssen organisieren, dass Staat und Wirtschaft besser zusammen arbeiten. Die Daten, die in den Unternehmen im Rahmen der Eigenkontrollen vorliegen und die Daten, die die Überwachung hat, müssen sinnvoll ergänzt werden.