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29.12.2011 > Onlinemeldung

Funktionierender Wettbewerb bedeutet Vielfalt

Monopole und Preisabsprachen in Kartellen verzerren und behindern den Wettbewerb
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Wettbewerb ist in der sozialen Marktwirtschaft ein Instrument, mit dem das beste Preis-Leistungsverhältnis für den Verbraucher erreicht werden soll. Dabei müssen strenge Spielregeln eingehalten werden.

Im Mittelpunkt des Wettbewerbs steht der Verbraucher. Er soll von Angebotsvielfalt, Innovationen, fairen Preisen und hoher Qualität profitieren. Funktionierender Wettbewerb bedeutet nicht „Hauptsache billig“ – das Gesamtpaket muss stimmen. Im Wettbewerb gewinnen sollen diejenigen Produzenten und Händler, die sich erfolgreich auf die unterschiedlichsten Wünsche und Vorlieben von Verbrauchern einstellen.

Ein wichtiges Zeichen für funktionierenden Wettbewerb ist daher Vielfalt. Das gilt vor allem in den Märkten, in denen Verbraucher unterschiedliche Bedürfnisse haben und durch Ausprobieren und Erfahrung am besten selbst wissen, was ihnen gefällt.

Monopole und Kartelle

Damit der Markt einen Qualitäts- und Leistungswettbewerb im Sinne des Verbrauchers ermöglichen kann, muss der Wettbewerb wirksam werden können. Monopolistische Strukturen, Konzentrationserscheinungen, Oligopole und Preisabsprachen in Kartellen verzerren und behindern den Wettbewerb und stehen damit dem angestrebten Ziel im Wege.
Das Aufdecken von Kartellen und Preisabsprachen ist allerdings eine komplizierte Aufgabe, bei der verschiedene Akteure ihre Stärken gemeinsam nutzen sollten. Bundes- und Landeskartellämter, die Monopolkommission, die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission und Verbraucherverbände können mit vereinten Kräften dazu beitragen, den Wettbewerb im Sinne des Verbrauchers zu schützen.

Marktbeobachtung von Verbraucherseite

Auf den unterschiedlichen Märkten (Telekommunikationsmarkt, Energiemarkt, Finanzmarkt, Gesundheitsmarkt etc.) herrschen oft komplexe Zusammenhänge, die für den einzelnen Verbraucher nicht immer leicht zu durchschauen sind. Gerade da, wo es um Vertrauenseigenschaften von Produkten geht, macht die Vielfalt es dem einzelnen Verbraucher oft schwer. Im Dickicht aus Preisen, Tarifen, Angebotspaketen, Kundendiensten, Zuständigkeiten und Hunderten von Anbietern können viele Dinge schief laufen.

Damit schwarze Schafe unter den Anbietern keine Chance haben und Probleme für Verbraucher schnell entdeckt werden, brauchen wir eine starke Marktbeobachtung aus der Verbraucherperspektive. Dazu gehört, dass Verbraucher eine aktivere Rolle bei der klassischen Marktbeobachtung einnehmen und in Kontrollgremien eingebunden werden, zum Beispiel. bei der Bundesnetzagentur, den Bundes- und Landeskartellämtern, dem Gemeinsamen Bundesausschuss im Gesundheitswesen und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin).

vzbv als Marktwächter

Unsere Rolle als Marktwächter nehmen wir auch unabhängig von anderen Institutionen wahr.
Zufriedenheit und Vertrauen der Verbraucher gehören für uns zu den wichtigsten Indikatoren, die darauf hinweisen, ob ein Markt für Verbraucher funktioniert. Die wichtigste Quelle für den Marktwächter ist daher der direkte Kontakt mit den Verbrauchern. Durch die Beratungsarbeit der Verbraucherzentralen wissen wir aus erster Hand, wo die Verbraucher der Schuh drückt und wo Probleme auftreten.

Missbräuchliche Praktiken und wettbewerbswidriges Verhalten von Anbietern können wir darüber hinaus ganz direkt angehen. Mit dem Verbandsklagerecht steht uns ein wichtiges Instrument zur Verfügung, mit dem wir die Rechtsdurchsetzung im Sinne des Verbrauchers vorantreiben können. Lesen Sie mehr über unsere Aktivitäten im Bereich Rechtsdurchsetzung und Abmahnungen – in der Rubrik Verbraucherpolitik  Verbraucherrecht.

Reicht es, wenn wir niedrige Preise haben?

Wettbewerbsfragen sind häufig sehr komplex. Ob es sich um echte Marktentwicklungen oder unerlaubte Absprachen zwischen Wettbewerbern handelt, ist auch für professionelle Wettbewerbshüter nicht immer einfach zu erkennen.

Warum es nicht immer ein Zeichen für funktionierenden Wettbewerb ist, wenn es außerordentlich niedrige Preise in einem Markt gibt, lässt sich am Beispiel des Lebensmitteleinzelhandels gut zeigen. Auf den ersten Blick scheint der Verbraucher von erhöhtem Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel unmittelbar und ausschließlich zu profitieren. Die Preise im deutschen Handel gehören im europäischen Vergleich zu den geringsten. Es stellt sich aber die Frage, zu welchen Kosten der niedrige Preis der Produkte entsteht – und wie sich die immer kleiner werdende Zahl an Anbietern langfristig auf den Preis auswirken wird.

Durch die Konzentrationsentwicklung im Lebensmitteleinzelhandel hat sich, insbesondere mit dem Markteintritt von besonders kostenoptimiert arbeitenden Discountern, eine nachhaltige Verschiebung des Wettbewerbsgefüges ergeben. Nachdem zunächst die Zahl der Wettbewerber deutlich verringert und die Struktur der Alltagsversorgung grundlegend verändert worden ist, stecken die verbliebenen Akteure jetzt in einem Dilemma: Die Austragung des Wettbewerbs um den Endverbraucher findet in dieser Dynamik vorwiegend über den Preis statt. Differenzierung ist nur noch schwer möglich, Bewegung im Markt kann kaum noch stattfinden. Daraus ergab sich ein sehr niedriges Niveau der Verbraucherpreise, ein regelrechter Wettlauf nach unten – in einigen Bereichen der Angebotspalette.

Diese Verengung des Wettbewerbsbegriffs auf den reinen Preisfaktor bringt aber nur auf den ersten Blick Wohlfahrtsgewinne für den Endverbraucher. Langfristig führt die Konzentration des Marktes zu einer Vereinheitlichung und Zentralisierung des Angebotes, in dem regionale Anbieter oft keinen Platz mehr finden. Auch die Versorgungsstrukturen werden zunehmend vereinheitlicht, Abweichungen und Diversifikationen sind in vielen Gebieten nicht mehr wirtschaftlich. Die positiven Effekte des Wettbewerbs entstehen für den Verbraucher nicht allein im Preiswettbewerb. Entscheidend ist auch der Qualitätswettbewerb, der – funktioniert er richtig – das beste Preis-Leistungsverhältnis für den Verbraucher erzeugt.

Nun scheint das Ende dieser Erfolgsstrategie absehbar. Das Wachstum in der Fläche ist ausgereizt, alle Einsparmöglichkeiten auf der Kostenseite ausgeschöpft. Der Preiskampf aber wird weitergeführt. Dadurch steigt der Preisdruck auf die Lieferanten und Zulieferer des Handels, die ihrerseits zu Sparmaßnahmen greifen müssen – und den Druck in ihre Lieferketten weiterreichen. Preiseinsparungen an dieser Stelle der Gesamtkette können dann oftmals nur durch Veränderungen in Rezepturen und Übergang zu preisgünstigeren Ersatzstoffe von Originalzutaten erzielt werden.

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