Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

14.09.2011 > Onlinemeldung

Für einen nachvollziehbaren Ausbau der Stromnetze

Relevante Daten und Lastflüsse offen legen
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Um den Ausstieg aus der Kernenergie zu schaffen, muss die Netzinfrastruktur ausgebaut werden. Die finanzielle Belastung der Verbraucher sollte dabei überschaubar bleiben, der Regulierungsrahmen nicht zu Gunsten der Netzbetreiber aufgeweicht werden.

 

Entscheidend ist die Nachvollziehbarkeit der Planungsvorhaben. In den nächsten Jahren sind erhebliche Investitionen in den Ausbau der Stromnetze erforderlich, die sich über die Netzentgelte auch direkt auf den Strompreis auswirken werden. Der tatsächliche Ausbaubedarf ist bisher nicht geklärt und verschiedene Studien nennen unterschiedliche Investitionsvolumen.

So geht die EU-Kommission in den nächsten 10 Jahren von einem EU-weiten Investitionsbedarf von 200 Milliarden Euro aus (davon 35.300 km neue Übertragungsnetzleitungen und 6.900 km Instandsetzung). Was diese Zahlen für Deutschland bedeuten und in welchem Verhältnis sie zur dena-Netzstudie II stehen, ist unklar. Die dena-Netzstudie II sieht einen Ausbaubedarf von 3.600 km bei Kosten von 9,7 Milliarden Euro für Deutschland.

Netzplattform für zukunftsfähige Netze

Hinzukommen Investitionen in die Verteilnetze, die bisher nicht systematisch erfasst wurden, aber einen großen Teil unserer Netzinfrastruktur ausmachen und zusätzlich betrachtet werden müssen. In der von der Bundesregierung initiierten „Netzplattform für zukunftsfähige Netze“ setzen wir uns daher für einen sinnvollen Ausbau zu möglichst geringen Kosten ein.

Außerdem bedarf die Planung des Stromnetzes einer möglichst genauen Datengrundlage über den künftigen Kraftwerkspark und seiner räumlichen Verteilung. Hier herrscht große Unklarheit, die beispielsweise auch die Verbindlichkeit einzelner Planungen von Bundesländern betrifft. Es fehlt an politischen und regulatorischen Mechanismen, Planungen verbindlich durchzuführen. Weiterhin kann nur durch eine Offenlegung aller relevanten Daten (zum Beispiel Lastflüsse) der Netzausbaubedarf von der Öffentlichkeit nachvollzogen werden. Dies ist eine Grundvoraussetzung für Kosteneffizienz und Akzeptanz.

Zahl der Netzbetreiber senken

Im Zuge dessen muss außerdem gewährleistet werden, dass Netzbetreiber weiterhin effizient arbeiten und Netzentgelte nicht zu einer Erhöhung der eigenen Rendite nutzen. Insbesondere auf der Verteilnetzebene stellt die hohe Zahl von 850 Netzbetreibern ein Problem dar. Auch um die zusätzlichen Kosten gering zu halten, ist die Zahl der Netzgebiete deutlich, auf etwa 50 Gebiete, zu reduzieren, anstatt kleinere Einheiten zu fördern. Die Netzentgelte in Deutschland sind im internationalen Bereich trotz Regulierung immer noch hoch, was auf vorhandene Effizienzpotentiale hinweist.

Planungsverfahren für Netze auf EU- und Bundesebene beschleunigen

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Planungsverfahren für Netze auf EU- und Bundesebene zu beschleunigen, da bisher der notwendige Netzausbau nicht in Gang kommt. Das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) trägt hierzu nicht hinreichend bei und gilt außerdem nicht für laufende Verfahren (sogenannte EnLAG Verfahren). Zusätzlich bedarf es für Großprojekte (zum Beispiel offshore) auch einer stärker abgestimmten Netzplanung auf europäischer Ebene. Wegen der nach wie vor möglichen Interessenskonflikte von integrierten Unternehmen ist eine vollständige eigentumsrechtliche Entflechtung bei den Übertragungsnetzen zwingend erforderlich. Über diese Entflechtung sollte bei den Verteilernetzen wenigstens nachgedacht werden.

Dialog mit Bürgern führen

Beim Netzausbau ist zudem mit Widerständen von Bürgern zu rechnen, die durch neue Hochspannungsleitungen einen Wertverlust Ihrer Wohnimmobilien befürchten oder sich gegen den erheblichen Eingriff in die Natur und Landschaft zur Wehr setzen. Darüber hinaus wird ein weiterer Teil der Bevölkerung wegen der Zunahme an elektromagnetischen Feldern (Elektrosmog) besorgt sein, denn diese stehen in Verdacht, gesundheitliche Risiken zu bergen. Es ist daher frühzeitig ein systematisch angelegter und intensiver Dialogprozess zu starten, in dem ein gesellschaftlicher Konsens über die Notwendigkeit des Netzausbaus im Zusammenhang mit der verstärkten Nutzung regenerativer Energien erreicht und darüber hinaus aber die Sorgen, Ängste und Befürchtungen der Bürger berücksichtigt sowie eine Abwägung mit möglichen oder festgestellten ökologischen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorgenommen wird. Dabei sind neue Beteiligungsformen auf kommunaler Ebene besonders zu berücksichtigen.