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26.02.2015 > Onlinemeldung

Für einen fairen Versicherungsvertrieb in Europa

Versicherungsvertriebsrichtlinie geht in den Trilog
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In Brüssel beginnen die Trilog-Verhandlungen zur Versicherungsvertriebsrichtlinie zwischen Europäischer Kommission, Parlament und Ministerrat. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) nennt seine Kritikpunkte. Verbraucherinnen und Verbrauchern muss garantiert werden, dass sie alle wichtigen Informationen und eine qualifizierte Beratung erhalten.

Wichtigstes Ziel der Richtlinie ist die Schaffung einheitlicher Rahmenbedingungen im Vertrieb von Versicherungen. Als Folge würde das Niveau des Verbraucherschutzes nicht mehr vom Vertriebsweg abhängen. Bei den Vorschlägen von Kommission, Parlament und Rat fehlen jedoch wichtige Punkte.

Kleine Versicherungen einbeziehen

Kleine Versicherungen (Small Insurances) werden vielfach im Zusammenhang mit dem Erwerb von Produkten oder Dienstleistungen vertrieben. Verbraucher geraten hier unerwartet in ein weiteres Verkaufsgespräch zu der angebotenen Versicherung. Ihm liegen keine Vergleichsangebote vor. Fragen nach bereits bestehendem Versicherungsschutz oder Risikoverhalten werden nicht gestellt. Hohe Provisionen führen beim Verkäufer zu einem spürbaren Verkaufsdruck.

Wesentliche Schutzmechanismen der Richtlinie gelten jedoch für kleine Versicherungen nicht.  „Es gibt keine einfachen Versicherungsprodukte. Verbraucher können auch hier ein Mindestmaß an qualifizierter Beratung erwarten“, sagt Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim vzbv. Zusätzlich führe eine entsprechende Ausnahmeregel zu einer Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen Versicherungsvermittlern, die die entsprechenden Zulassungsvoraussetzungen erfüllen müssen.

Ausnahmen für Strukturvertriebe streichen

Der vzbv spricht sich dafür aus, dass jeder Vermittler eine eigene Zulassung erwerben muss. Bisher ist vorgesehen, dass die unter einem zugelassenen Vermittler tätigen Untervermittler keiner eigenen Zulassung bedürfen. Diese Vorgabe befördert nach dem Schneeballprinzip aufgebaute Strukturvertriebe. In Strukturvertreiben hat jeder Vermittler den Anreiz und die Vorgabe, möglichst viele Untervermittler zu akquirieren, um einen Teil von deren Courtagen einzubehalten. „Mit der Regelung ist der Umgehung der Zulassungsvoraussetzung Tür und Tor geöffnet,“ so Gatschke.

Provisionsoffenlegung für alle Versicherungsarten

Der vzbv unterstützt den Vorschlag der Kommission, beim Vertrieb sämtlicher Versicherungsprodukte die Provision in Euro und Cent offenzulegen. Dem Kunden wird so vor Augen geführt, wofür er tatsächlich zahlt und inwieweit der Vermittler möglicherweise Eigeninteressen verfolgt. Die Preisklarheit ist auch deshalb wichtig, weil Provisions- und Honorarberatung bis heute in keinem funktionierenden Wettbewerb zueinander stehen.

Konvergenz zu Regelungen im Anlagemarkt (MiFiD2)

Beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten fordert der vzbv, eine weitestgehende Konvergenz zu den Regeln bei klassischen Anlageprodukten in MiFiD2 sicherzustellen.

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