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14.09.2011 > Onlinemeldung

Für eine gute medizinische Versorgung überall

Für ein effizientes Versorgungsgesetz
Quelle: 
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Ärztemangel auf dem Land – Überversorgung in der guten Stadtlage. Die medizinische Versorgung in Deutschland ist widersprüchlich. Das Versorgungsgesetz soll hier ab 2012 Abhilfe schaffen.

Ärztemangel auf dem Land – Überversorgung in der guten Stadtlage. Die medizinische Versorgung in Deutschland ist geprägt von Widersprüchen. Das Versorgungsgesetz, das noch im Jahr 2012 in Kraft treten wird, soll hier Abhilfe schaffen.

Nebeneinander von Überversorgung und Unterversorgung ist ineffizient und teuer

Das Nebeneinander von Über- und Unterversorgung führt zu erheblichen Ungerechtigkeiten, ist ineffizient und teuer. Die Überversorgung kostet nach Angaben des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) rund fünf Milliarden Euro jährlich allein für ärztliches Honorar. Auf der anderen Seite fehlen in bestimmten Regionen insgesamt etwa 800 Ärzte, während bundesweit gleichzeitig jährlich rund 700 Ärzte mehr in der Versorgung tätig werden.

Diese Zahlen zeigen, dass die bisherige Bedarfsplanung fehlgeschlagen ist, weil sie sich zu stark an den Interessen der Anbieter von Gesundheitsleistungen ausgerichtet hat.

  • Die festgeschriebene Arzt-Einwohner-Relation garantiert keine Orientierung an der tatsächlichen Krankheitslast einer Bevölkerung.
  • Zu große Planungsbezirke gestatten keinen zielgenauen Ausgleich bei regionaler Über- beziehungsweise Unterversorgung.
  • Die Planung erfasst nicht alle relevanten Fachgruppen und differenziert nicht zwischen dem Leistungsangebot (beispielsweise Operation oder konservative Behandlung).
  • Für Krankenhäuser, Versorgungszentren und Praxen gibt es keine gemeinsame Planung.
  • Es fehlt an geeigneten Indikatoren, welche Versorgungsziele für Patientinnen und Patienten relevant sind.

Die Versorgung durch Hausärzte, Kinder- und Frauenärzte muss wohnortnah gesichert sein. Fachärztliche Versorgung kann in unterschiedlichem Ausmaß stärker zentralisiert werden und sollte gemäß Versorgungsbedarf der Patientinnen und Patienten flexibel und kooperativ organisiert werden. Das Honorarsystem ist neben der Zulassungspraxis ein wesentliches Instrument, um hierfür geeignete Anreize zu setzen.

Vorhandene Effizienzreserven an der Sektorengrenze ambulanter und stationärer Versorgung müssen erschlossen werden, um die bestehenden Versorgungsprobleme zu lösen und unnötige Kosten zu vermeiden. Nur wenn Überkapazitäten konsequent abgebaut werden, stehen die finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung, um auf Unterversorgung in ländlichen Gebieten oder sozial benachteiligten Stadtteilen reagieren zu können.

Andere Heilberufe sind nach den erfolgreichen Modellprojekten systematisch in die Versorgungsplanung einzubeziehen. Pflegekräfte können einfache ärztliche Tätigkeiten übernehmen und für eine bessere Betreuung der Patientinnen und Patienten sorgen. Hierzu sind entsprechende gesetzliche Vorgaben notwendig.

Ein wichtiges Signal wären unmittelbar spürbare Verbesserungen für Patientinnen und Patienten wie zuverlässige Unterstützung bei der Überleitung vom Krankenhaus in die Anschlussbehandlung („Entlassmanagement“), die Absicherung des Anspruches auf Hausbesuche und eine wirksame Begrenzung von Wartezeiten bei Facharztterminen. Weniger direkt spürbar, aber nicht minder wichtig: Innovative Behandlungsverfahren sollten schnell und zuverlässig in den Leistungskatalog aufgenommen werden, gleichzeitig müssen aber Verfahren ohne erwiesenen (Zusatz-)Nutzen schnell und nachhaltig aus der Versorgung verschwinden sollten, da sie Patienten nur unnötig gefährden.

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