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27.10.2014 > Onlinemeldung

EZB-Stresstest: Ernüchterndes Ergebnis

vzbv fordert stärkere Regulierung von Geschäftsmodellen
Quelle: 
Fotolia.com / Tiberius Gracchus

Am 26. Oktober 2014 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse ihres Stresstests von Europas Großbanken vorgelegt. Von den rund 130 geprüften Banken sind 25 durchgefallen, eine davon aus Deutschland. Für Verbraucher hat der Test trotz des EU-weit ernüchternden Ergebnisses zunächst keine unmittelbaren Folgen. Um langfristig neues Vertrauen zu schaffen, müssen aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) dringend die Geschäftsmodelle von Banken stärker reguliert werden.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Entwicklung der Kernkapitalquote von Europas Großbanken. Zusätzliches Kapital benötigen dabei vor allem italienische und andere südeuropäische Institute. 12 der 25 Problemfälle konnten die festgestellte Kapitallücke bereits während des Auswertungszeitraums schließen. Die verbleibenden 13 Banken müssen der EZB nun innerhalb von zwei Wochen einen Plan zur Nacherfüllung der Zielvorgaben vorlegen. 

Keine unmittelbaren Folgen für Verbraucher

Für Verbraucher hat der Stresstest zunächst keine unmittelbaren Folgen. In Deutschland ist weder die Übernahme schwacher Banken durch Konkurrenten zu erwarten, noch droht unmittelbar der Einsatz von Steuergeldern. Vom Tisch sind die Risiken trotzdem nicht. Vor allem die Vernetzung der Banken untereinander, die auch im Stresstest unberücksichtigt blieb, birgt weiterhin Gefahren. Aus Sicht des vzbv bedarf es daher dringend einer stärkeren Regulierung der Geschäftsmodelle.

„Der Test sorgt für eine gewisse Transparenz in den Bilanzen und zeigt, dass viele Banken einzeln betrachtet besser dastehen als noch vor drei Jahren. Was der Test nicht zeigt, ist das tatsächliche Risiko einer erneuten EU-weiten Bankenkrise. Nicht erfasst werden beispielsweise die hohe Vernetzung des europäischen Bankensektors und die Fehlanreize in Folge von Staatsgarantien“, sagt Christian Ahlers, Finanzmarktreferent beim vzbv. 

Geschäftsmodelle stärker regulieren

Ein ungelöstes Problem bleiben die für systemrelevante Banken geltenden Staatsgarantien. Die Verbindung von Kunden- und Kapitalmarktgeschäft hat zur Folge, dass der Staat nicht bloß Einlagen und Zahlungsverkehr garantiert, sondern den Banken als Ganzes eine Überlebensgarantie ausspricht.

Ein erster Lösungsansatz liegt dabei seit Januar 2014 auf dem Tisch. Ein EU-Trennbankengesetz soll die Geschäftsmodelle von Banken aufgliedern und risikoreiche von weniger risikoreichen trennen. Wer Einlagen von Verbrauchern annimmt, soll unter anderem kein signifikantes Kapitalmarktgeschäft mehr betreiben dürfen. Banken würden dadurch zum einen kleiner, zum anderen weniger stark vernetzt. Der vzbv fordert, ein europäisches Trennbankensystem noch 2015 umzusetzen. 

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