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02.10.2013 > Onlinemeldung

Energiewende: Genug Kraftwerksreserven vorhanden

vzbv lehnt Einführung eines Kapazitätsmarktes ab
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Weil sich viele konventionelle Kraftwerke auf Grund des Ausbaus erneuerbarer Energien nicht mehr rentieren, fordert die Energiewirtschaft einen eigenen Markt für die Bereitstellung gesicherter Erzeugungskapazität – andernfalls sei die Versorgungssicherheit in Gefahr. Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) führt ein solcher Kapazitätsmarkt allerdings nur zu höheren Kosten für Verbraucher.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist witterungsbedingten Schwankungen unterworfen. Um sicherzustellen, dass auch in Zeiten ohne Wind und Sonne genügend Elektrizität erzeugt wird, müssen konventionelle Kraftwerke vorgehalten werden. Deren Betrieb wird auf Grund geringer Einsatzzeiten und niedriger Börsenpreise aber zunehmend unrentabel. Viele Betreiber drohen damit, ihre Erzeugungsanlagen vom Netz zu nehmen.

 

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew) sieht dadurch die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet und fordert die Einführung eines Kapazitätsmarktes. Mit einem solchen Markt würde nicht nur die Erzeugung von Strom, sondern auch die Bereitstellung gesicherter Leistung vergütet. So soll gewährleistet sein, dass auch zukünftig genügend Kraftwerke vorhanden sind, um die fluktuierende Einspeisung erneuerbarer Energien auszugleichen.

Kein dringender Handlungsbedarf

Der vzbv sieht beim Thema Versorgungssicherheit allerdings zurzeit keinen Handlungsbedarf. „Es sind genug Kraftwerksreserven vorhanden“, sagt Holger Krawinkel, Bereichsleiter Verbraucherpolitik beim vzbv. Die Schließung einiger Kraftwerke sei daher unproblematisch.

 

Vor diesem Hintergrund lehnt der vzbv die Vorschläge des bdew ab. Holger Krawinkel: „Ein Kapazitätsmarkt führt nur dazu, dass nicht mehr benötigte Kohlekraftwerke auf Kosten der Verbraucher am Netz gehalten werden.“ Außerdem sei dieses Instrument unnötig komplex und berge zu viele Risiken bei der Ausgestaltung.

Netzreserve verlängern

Darüber hinaus gibt es bereits einen Mechanismus, der sicherstellt, dass für den Fall von Versorgungsengpässen ausreichend Reservekapazitäten zur Verfügung stehen. Im Rahmen der sogenannten Netzreserve schließen Netz- und Kraftwerksbetreiber untereinander Verträge über die Vorhaltung der notwendigen Kapazitäten ab. Außerdem kann die Bundesnetzagentur die Schließung bestimmter Erzeugungsanlagen untersagen, sofern diese eine systemrelevante Bedeutung haben. „Die Netzreserve reicht zunächst völlig aus, um Versorgungssicherheit zu garantieren“, so Krawinkel. Es sei daher sinnvoll, dieses Instrument über das Jahr 2017 hinaus zu verlängern. Allerdings müsse die Beschaffung der Reservekraftwerke zukünftig transparenter ausgestaltet werden.