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29.12.2011 > Onlinemeldung

Energetische Gebäudesanierung als Herausforderung für die Politik

Langfristig angelegtes Maßnahmenpaket nötig
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Energieeinsparung und Klimaschutz sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die größten Energieeinsparpotenziale liegen im Gebäudebestand. So lange sich die Politik dieser Herausforderung nicht stellt, werden diese Potenziale nicht ausgeschöpft.

Gebäude in Deutschland beanspruchen für Heizung und Warmwasser circa 40 Prozent des deutschen Gesamt-Energieverbrauchs und sind für fast 20 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Dabei benötigt ein neu errichtetes Haus etwa 7 Liter Heizöl pro m² Wohnfläche im Jahr, während ein bestehendes Gebäude, das vor 1984 gebaut und nicht saniert wurde, zwischen 18 und 30 Liter Heizöl braucht.

Energiesparpotenzial ausschöpfen

Von den insgesamt 39 Mio. Wohnungen in Deutschland sind circa 80 Prozent vor 1984 errichtet und bis heute weitgehend unsaniert und noch mit einer alten Anlagetechnik ausgestattet.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Um den Heizenergiebedarf eines Bestandsgebäudes zu minimieren, müssen alte Gebäude energetisch saniert werden. Dadurch können teilweise bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs eingespart werden – das reduziert auch die Energiekosten für die Bewohner. Dieses große Energieeinsparpotenzial auszuschöpfen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert politisch ein aufeinander abgestimmtes, langfristig angelegtes Maßnahmenpaket:

1. Verlässliche Daten schaffen
Viele verschiedene Aussagen und Untersuchungen bezüglich des zu erwartenden Nutzens und dessen Kosten verunsichern Gebäudeeigentümer. Nachvollziehbare Datengrundlagen können die Investitionsentscheidung erleichtern.

2. Konsistente und bedarfsgerechte Förderprogramme
Für die Planungssicherheit der Investoren müssen Förderprogramme geschaffen werden, die über ein ausreichendes Budget verfügen und mittelfristig angelegt sein. Darüber hinaus müssen diese sich nach dem Bedarf der Gebäudeeigentümer, beispielsweise als Zuschüsse oder Steuerabschreibung, richten.

3. Sinnvolle und nachvollziehbare ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen
Ordnungsrechtliche Vorgaben müssen kalkulierbare Investitionssicherheit schaffen, indem die technische Nutzungsdauer der Bauteile bzw. des Gebäudes und die entsprechenden Investitionszyklen berücksichtigt werden. Bevor neue Regelungen geschaffen werden, sollten aber zuerst die Potenziale der bestehenden Regelungen ausgeschöpft werden. Darunter fällt zum Beispiel die Bündelung der gesetzlichen Regelungen im Wärmesektor (EnEV, EEWärmeG, KWKG), die Schließung der Regelungslücken (z.B. bei Nachrüstpflichten) oder die Verstärkung des Vollzugs

4. Gerechte sozialverträgliche Kostenverteilung
Immense Investitionsvolumen sind für die energetische Modernisierung des Gebäudebestandes notwendig. Es müssen dringend politische Lösungen gefunden werden, denn schon heute müssen untere Einkommensgruppen bis zu 42 Prozent ihres Einkommens für Miete und Nebenkosten aufbringen. , Zusätzlich müssen Wege gefunden werden, gerade diese Menschen zur Energie- bzw. Energiekosteneinsparung zu motivieren.

5. Ausbau unabhängiger kompetenter Beratung
Ein überwiegender Teil der privaten Gebäudeeigentümer kann den Zustand ihres Eigenheims nicht richtig einschätzen, und sieht daher keinen Anlass zur Gebäudesanierung. Auf der anderen Seite werden zweistellige Milliardenbeträge jährlich von privaten Eigentümern in den Wohnungsbestand investiert, die großenteils vom Markt nicht honoriert werden. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit des Ausbaus der Beratungsangebote. Die Beratung muss von unabhängigen und kompetenten Experten durchgeführt werden und über die technischen Lösungen hinaus langfristig wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen ge-nerieren.

6. Qualifizierung von Fachkräften
Die UBA-Studie “Beschäftigungswirkungen sowie Ausbildungs- und Qualifizierungsbedarf im Bereich der energetischen Gebäudesanierung“ stellt fest, dass es in Deutschland an Fachkräften für die Gebäudesanierung mangele. Dadurch könne nur ein Drittel der vorliegenden Sparpotentiale umgesetzt werden. Über die technischen Kenntnisse hinaus muss das Handwerk ihre Dienstleistung im Hinblick auf die Kundenorientiertheit und Transparenz bezüglich der Kosten, Zeit und Qualität verbessern.

7. Qualitätskontrolle und Nutzerinformation
Energieeinsparmaßnahmen im und am Gebäude erfordern eine hohe Investition, die sich nur rechtfertigen lässt, wenn die erwünschte Verbesserung auch tatsächlich eintritt. Daher ist eine Qualitätskontrolle unumgänglich. Darüber hinaus müssen die Nutzer über die neuen gebäude- bzw. anlagentechnischen Beschaffenheiten und die daraus folgenden Änderungen bezüglich des Nutzerverhaltens besser informiert werden, um die technischen Einsparpotenziale ausnutzen zu können.

8. Verknüpfung mit öffentlichen Stellen
Wenn auf der Bundesebene reglementiert und den einzelnen Gebäudeeigentümern überlassen wird, ob und wie sie diesen Regeln folgeleisten, kann diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe nicht bewältigt werden. Die Kommunen müssen stärker einbezogen und mit Kompetenzen ausgestattet werden, um energetisch besonders sanierungsbedürftige Gebiete auszuweisen und Gebäudeeigentümern bei Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen.