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29.12.2011 > Onlinemeldung

Elektromobilität als Chance

Quelle: 
opolja - fotolia.com

So bald wie möglich sollte eine CO2-freie nachhaltige Mobilität ohne fossile Ressourcen möglich werden. Dieses Ziel verdient aus Verbrauchersicht volle Unterstützung. Allerdings kann Elektromobilität wie jede Technologie unterschiedlich genutzt werden. Es gilt daher, die Voraussetzungen zu präzisieren, unter denen Elektromobilität zu einem Baustein nachhaltiger Mobilität werden kann: Elektroautos sind Autos und sollten daher autofreie Formen von Mobilität nicht verdrängen, sondern diese ergänzen.

Elektromobilität ist in den Zeitungen, aber nicht auf den Straßen zu sehen. Die Autokonzerne inszenieren ihre Versuchsfahrzeuge so, als wären sie alsbald im Autohaus zu kaufen. Damit werden bei den Verbrauchern hohe Erwartungen geweckt, denen der Entwicklungsstand der Batterietechnologie nicht standhält. Auf absehbare Zeit werden Elektroautos zu vertretbaren Kosten nicht dieselbe Reichweite haben wie herkömmliche Autos.

Das ist aber nicht nur ein Nachteil. Denn die begrenzten Möglichkeiten des Elektroautos zwingen dazu, Mobilität neu zu denken – und bieten damit auch die Chance, individuelle und öffentliche Mobilitätsangebote besser zu kombinieren als dies heute der Fall ist.

vzbv unterstützt Ausbau der Elektromobilität

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ist Mitglied der Nationalen Plattform Elektromobilität. Automobilindustrie und Energiewirtschaft unter Beteiligung anderer Interessengruppen entwickeln einen einheitlichen Kurs beim Ausbau der Elektromobilität. Der vzbv versteht seine Rolle in der Plattform so, dass er die Weiterentwicklung der Elektromobilität hin zu marktreifen Produkten unterstützt, aber überzogene Erwartungen dämpft und die Kosten für den Ausbau einer Ladeinfrastruktur begrenzt.

Zweifellos ist es sinnvoll, mit öffentlichen Mitteln Forschungs- und Entwicklungsvorhaben für Elektromobilität zu fördern. Bei der Markteinführung muss aber auf die soziale Balance einer möglichen Förderung von Elektroautos geachtet werden. Es wäre unpassend, wenn der ohnehin knappe Straßenraum in Innenstädten durch Privilegien für Elektroautos weiter verknappt würde. Ebenso wäre es schwer vermittelbar, wenn die Verbraucher über ihre Stromrechnung den Ausbau einer teuren Ladeinfrastruktur finanzieren müssten, die nur wenigen Fahrern von Elektroautos zugute käme.

Elektromobilität an Ausbau der erneuerbaren Energien koppeln

Elektromobilität macht im Prinzip eine CO2-freie Mobilität ohne fossile Ressourcen möglich. Annähernd CO2-frei ist Elektromobilität allerdings nur dann, wenn der Strom zum Betrieb der Elektrofahrzeuge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Elektromobilität bringt also nur dann einen Gewinn für den Klimaschutz, wenn sie gekoppelt ist mit einem Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch wenn Windkraft, Wasserkraft und Sonnenenergie weiter ausgebaut werden, bleibt Strom aus erneuerbaren Energien kostbar. Außerdem hat auch die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien Umweltbeeinträchtigungen zur Folge (Schadstoffprobleme bei Solaranlagen, Beeinträchtigungen der Fischfauna durch Wasserkraft).

Selbst wenn Elektromobilität vollständig aus erneuerbaren Energien gespeist wird, muss die eingesetzte Energie daher effizient und sparsam eingesetzt werden. Wie für andere stromverbrauchende Geräte sind daher auch für Elektrofahrzeuge Effizienzanforderungen nach dem Top-Runner-Ansatz erforderlich. Mittelfristig sollten Elektrofahrzeuge entsprechend ihrem Energieverbrauch besteuert werden.

Kleinere und leichtere Fahrzeuge

Der Autoverkehr schränkt die Lebensqualität in den Städten heute erheblich ein. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die heute üblichen Diesel- und Benzinmotoren durch Elektromotoren ersetzt werden. Möglich und sinnvoll wäre es aber, den Individualverkehr mit kleineren und leichteren Fahrzeugen zu organisieren. Dadurch könnten Unfallgefahren und Platzbedarf erheblich reduziert werden. Die eingesetzte Energie würde auch erheblich effizienter verwendet, wenn das Fahrzeugleergewicht pro beförderter Person nicht 1.000 kg (so bei einem durchschnittlichen Fahrzeugleergewicht von 1,3 t und einer durchschnittlichen Besetzung von 1,2 Personen pro Fahrzeug), sondern etwa 200 kg beträgt (so beim Twike, einem elektrisch betriebenen Mini-Auto).

Elektromobilität könnte einen wichtigen Anstoß für eine solche verträglichere Form individueller Mobilität geben, und zwar gerade deswegen, weil die Einschränkungen der Batterietechnologie bei kleinen und leichten Fahrzeugen weniger zum Tragen kommen.

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