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27.10.2009 > Onlinemeldung

Durch Information und Bildung selbstbestimmte Verbraucher schaffen

Quelle: 
opolja - fotolia.com

Neben effektiver Information muss das Thema Verbraucherbildung auf die politische Tagesordnung. Notwendig ist eine koordinierte Bund-Länder-Initiative zur Stärkung der Alltagskompetenz speziell von Kindern, Jugendlichen und Senioren.

Damit sich Verbraucher kompetent im Markt bewegen können, benötigen Verbraucher mehr als ein reichhaltiges Angebot an Waren und Dienstleistungen, die Standards von Qualität und Sicherheit einhalten. Sie müssen einerseits gut informiert sein und andererseits gut gebildet sein, um ihre Rolle als Konsument selbstbestimmt ausüben und die Konsumwelt einschätzen zu können.

Verbrauchern muss eine bewusste Kaufentscheidung ermöglicht werden

Derzeitige Informationen über Produkte und Dienstleistungen, über technische oder juristische Eigenschaften, Mängel oder Produktionsbedingungen reichen oft nicht aus, um Verbrauchern eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen. Ein funktionierender Markt und Wettbewerb kann aber nur auf der Basis von umfangreichen Informationen effizient und zum Wohle der Verbraucher wirken. Vertrauen in Produkte und Marktakteure können Verbraucher nur dann entwickeln, wenn ihnen der Zugang zu Informationen eine gute Entscheidungsgrundlage bietet.

Das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) in der jetzigen Fassung hat sich als praxisuntauglich erwiesen. Hohe Kosten, ungeklärte Zuständigkeiten, eine lange Verfahrensdauer und juristische Verzögerungsmöglichkeiten der betroffenen Unternehmen verhindern einen effektiven Zugang zu vorhandenen Informationen. Der durch das VIG gewährte Zugang zu Informationen ist überdies auf Informationen zur Lebensmittelsicherheit sowie der Sicherheit von Spielzeug eingeschränkt. Verbraucher benötigen aber Informationen über diese beiden Bereiche hinaus. Dies betrifft auch das sogenannte „zweite Preisschild“, also Informationen über die ökologischen und sozialen Herstellungsbedingungen und das verantwortliche Handeln des Unternehmers.

Was brauchen wir?

  • Eine umfassende Reform des Verbraucherinformationsgesetzes (VIG). Behörden müssen die Öffentlichkeit aktiv und obligatorisch unter Nennung von Ross und Reiter über Verstöße unterrichten.
  • Die Informationspflicht der Behörden ist über die bislang definierten Bereiche hinaus auszuweiten.
  • Die Einrichtung einer Internetplattform, auf der Verbraucher glaubwürdige und mit Wettbewerbern vergleichbare Informationen über das soziale Engagement von Unternehmen (CSR) erhalten.

Fehlentscheidungen vermeiden

Nicht nur durch einen Mangel an Information, auch durch fehlende Bildung haben Verbraucher große Schwierigkeiten, sich in der Konsum- und Mediengesellschaft zurechtzufinden. Ihrer gestiegenen Verantwortung stehen fehlende oder unzureichende Alltags- und Konsumkompetenzen gegenüber. Dies zeigt sich in den zahllosen Fehlentscheidungen, die tagtäglich getroffen werden: Fehlernährung und Übergewicht, falsch abgeschlossene Versicherungsverträge, exzessiver Medienkonsum, hohe Kosten durch Handy- und Internetnutzung, die steigende Zahl von Menschen, die in die Ver- oder Überschuldung rutschen, sind allgegenwärtige Probleme. Bildung beginnt zu Hause und in der Schule. Doch viele Eltern sind nicht mehr in der Lage, ihren Kindern das nötige Rüstzeug für die Alltagsbewältigung mitzugeben. Der Unterstützung durch Schulen und anderen Bildungseinrichtungen kommt eine wachsende Bedeutung bei der Vermittlung des Basiswissens für den Konsumalltag zu. Schulen dürfen keine Konsumanalphabeten entlassen.

Was brauchen wir?

  • Eine koordinierte Bund-Länder-Initiative zur Stärkung der Alltagskompetenz speziell von Kindern und Jugendlichen und Senioren. Zu den Kernaufgaben der Bund-Länder-Initiative gehören:
    - die bundesländerübergreifende Koordination der Verbraucherbildung,
    - die Formulierung bundesländerübergreifender Mindeststandards für die Verbraucherbildung,
    - die Sicherstellung der Einbindung von Verbraucherthemen in die Curricula der formalen Bildung aller Schulstufen und Schularten sowie in die vorschulische Bildung. Dazu gehört auch die verbindliche fachliche und didaktische Weiterbildung für Lehrkräfte.
  • Die Einrichtung von Verbraucherbildungsangeboten in der Nachmittagsbetreuung von Ganztagsschulen und in der offenen Jugendarbeit (zum Beispiel Kochclubs, Umwelt-AGs, Schülerfirmen).
  • In Kooperation mit den Verbraucherzentralen die Einrichtung von Bildungszentren angedockt an Mehrgenerationenhäuser, um Verbraucher- und Alltagsprobleme wohnsitznah lösen zu können.