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23.10.2012 > Onlinemeldung

Deutsche EU-Parlamentarier sollen für Provisionsverbot stimmen

vzbv fordert EU-weites Verbot von Provisionen und sonstigen Vertriebsanreizen
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opolja - fotolia.com

Das EU-Parlament entscheidet am 26. Oktober 2012 über die Revision der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID „Markets in Financial Instruments Directive“. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat heute in einem Schreiben an alle Deutschen Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) nochmals auf die Dringlichkeit eines Verbotes von Provisionen im Finanzvertrieb aufmerksam gemacht. vzbv-Vorstand Gerd Billen fordert alle deutschen MEPs auf, am kommenden Freitag für einen Antrag von MEP Arlene McCarthy zu stimmen.

In diesem Änderungsantrag wird ein EU-weites Verbot von Provisionen und sonstigen Vertriebsanreizen gefordert (nicht nur für unabhängige Finanzvermittler).

Ein solch generelles Verbot würde die Qualität von Finanzprodukten und die Qualität der Finanzberatung erheblich verbessern. Eine Verbesserung an dieser Stelle ist für die Verbraucherinnen und Verbraucher in allen Mitgliedstaaten der EU von erheblicher Bedeutung. Kluge und vernünftige Finanzentscheidungen - ob nun zur Finanzierung einer Immobilie, zur Finanzierung der Ausbildung der Kinder oder zur Altersvorsorge - sind dringend erforderlich. Aber solange Provisionen und andere Vertriebsanreize, die durch den Produktanbieter gezahlt werden, Interessenkonflikte erzeugen, die zu schlechten und falschen Finanzempfehlungen führen, wird die Notwendigkeit guter Finanzentscheidungen konterkariert.

Finanzberatung wird günstiger

Die im Änderungsantrag geforderten Maßnahmen verteuern nicht die Finanzberatung, auch wenn die Anbieterseite dies stets behauptet. Im Gegenteil: Finanzberatung wird günstiger. Erstens zahlen Verbraucher bereits heute für Beratung, allerdings oft versteckt über teure Produktkonditionen (Abschlussprovisionen und laufende Bestandsprovisionen). Mit jedem Abschluss bezahlen sie aber obendrein auch die vielen anderen kostenfreien Beratungen ihres Vermittlers mit. In einem System scheinbar kostenfreier Beratung wird tendenziell mehr Beratungszeit geleistet, als in einem System kostenpflichtiger Beratung. In einer Beratung, die direkt vom Kunden vergütet wird, kann der Berater auch raten, Schulden zu tilgen, Direktbankkonditionen einzuholen oder alle Produkte so zu belassen, wie sie sind. Er ist nicht auf stetige Neuabschlüsse angewiesen.

Das Provisionsverbot, welches UK und die Niederlande einführen, ist daher nur konsequent. In Finnland wurden Provisionen zumindest für kapitalansparende Versicherungen verboten.

Honorarberatung nicht teurer als Provisionsberatung

Die Befürchtung, dass Verbraucher bei einem Provisionsverbot ohne Information und Beratung alleine gelassen werden, trifft nicht zu. Es wird sich ein Markt der Honorarberatung entwickeln, und zwar zu günstigeren Konditionen im Vergleich zum heutigen provisionsbasierten Finanzverkauf. Wir möchten auch der unbelegten Behauptung der Finanzindustrie widersprechen, Verbraucher würden keine Zahlungsbereitschaft für eine Honorarberatung aufbringen. Wenn Verbraucher realisieren, dass eine direkt bezahlte Honorarberatung nicht teurer ist als im heutigen System der Provisionsberatung und dass eine Honorarberatung unmittelbar an ihren Interessen ausgerichtet ist, so dass sie auf diese Beratung besser vertrauen können, wird es keine Barriere zur Zahlungsbreitschaft geben.

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