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08.11.2011 > Onlinemeldung

Autolobby steht beim Klimaschutz auf der Bremse

Von strengeren Grenzwerte für den Spritverbrauch würden auch Verbraucher profitieren
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Der Verkehr ist das Sorgenkind der Klimapolitik. In anderen Bereichen gelingt es zunehmend, Treibhausgase zu reduzieren. Anders bei den Verkehrsemissionen: Deutschland schafft es bestenfalls, diese auf hohem Niveau konstant zu halten. Weltweit wachsen sie ungebremst an. Die Politik scheut derweil vor effektiven Maßnahmen zurück.

In ihrem Energiekonzept formuliert die Bundesregierung das Ziel, die Elektromobilität auszubauen. Bis 2030 will sie sechs Millionen Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Der klimaschützende Effekt dürfte überschaubar bleiben: Derzeit sind in Deutschland 42 Millionen Autos mit Verbrennungsmotor zugelassen, Tendenz steigend. Weiter setzt die Bundesregierung auf einen höheren Anteil von Biokraftstoffen. „Biosprit bringt dem Klima wenig, kann aber gravierende Nebenfolgen haben, etwa die Abholzung von Regenwäldern“, warnt Otmar Lell, Verkehrsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Automobilindustrie fürchtet ums Limousinen-Geschäft

Maßnahmen, die wirklich etwas bringen, stehen derzeit nicht auf der Agenda der Bundesregierung. Die deutsche Automobilindustrie hat es verstanden, anspruchsvolle CO2-Emissionsgrenzwerte für PKW zu verhindern. Man befürchtet, das lukrative Geschäft mit den Premiumfahrzeugen könnte einbrechen, weil schwere und leistungsstarke Autos teurer würden. Verbraucher würden von strengen Emissionsgrenzwerten profitieren, denn niedrige Treibhausgasemissionen bedeuten weniger Spritverbrauch und damit geringere Kosten für die Autofahrer.

Bus und Bahn müssen attraktiver werden

Wegen der Ölknappheit dürften die Spritpreisen weiter steigen, Alternativen zum motorisierten Individualverkehr werden somit immer wichtiger. Insbesondere bei großstädtisch geprägten jungen Leuten hat der öffentliche Verkehr eine Perspektive – allerdings nur, wenn er flexibel ist und sich mit Fahrrad und Auto problemlos kombinieren lässt. Neben Investitionen in die Infrastruktur braucht es aus Sicht des vzbv gezielte Maßnahmen für mehr Kundenfreundlichkeit. „Tarife und Fahrscheine sollten deutschlandweit einheitlich sein“, so Lell. Zudem sei die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs daran zu koppeln, welche Leistungen die Betriebe anbieten.