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06.12.2012 > Onlinemeldung

Akzeptanz für Energiewende nicht verspielen

Im Interview: Dr. Holger Krawinkel, Energieexperte des vzbv
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter Bauen, Energie und Umwelt im Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), äußert sich im Interview zur Energiewende und ihren Chancen. Er plädiert für einen Energieplan und parteiübergreifenden Konsens.

Warum ist die Akzeptanz der Bevölkerung für die Energiewende so wichtig?

Die Energiewende ist ein Projekt, das auf einem gesellschaftlichen Konsens aufbaut. Ohne die große Zustimmung der Bevölkerung hätte es die politischen Entscheidungen nicht gegeben und eine Umstellung der Energieversorgung wäre gar nicht möglich. In der Umsetzung der Energiewende ist es daher enorm wichtig, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht aufgrund fehlender Abstimmung oder zu hoher Kosten aufs Spiel gesetzt wird.

Ist die Energiewende schuld am drastischen Kostenanstieg für Energie?

Nicht die Energiewende an sich ist schuld am drastischen Anstieg der Strompreise, sondern das Setzen auf die teuersten Technologien wie Solarenergie und jetzt aktuell Offshore-Windenergie. Zudem hat es die Politik nach Fukushima ein Jahr lang versäumt, einen konkreten Fahrplan für die Energiewende vorzulegen. Die Folge sind steigende Kosten, die noch dazu in einem sehr kurzen Zeitraum anfallen.

Was müsste die Bundesregierung tun, damit Energie für Verbraucher bezahlbar bleibt?

Die Bundesregierung muss mit den Ländern ein Gesamtkonzept abstimmen und ihre zeitlichen Zielvorgaben überdenken. Kosteneffizienz muss viel stärker als bisher im Vordergrund stehen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz muss mittelfristig reformiert werden, damit die Kosten nicht explodieren. Kurzfristig sollte außerdem auch über Entlastungen für Verbraucher nachgedacht werden.

Sehen Sie Chancen für einen Kompromiss zwischen den Ländern (Offshore-Parks versus Solarenergie)?

Die Bundesländer haben natürlich ganz eigene Interessen bei der Energiewende. Entscheidend sollte letztendlich eine volkswirtschaftliche Betrachtung sein. Der Bund muss hier koordinierend eingreifen und auch die Bundesländer müssen Verantwortung übernehmen. Es geht nicht um ein „Entweder- Oder“, sondern um den richtigen Mix zur richtigen Zeit.

Wenn Sie Minister wären: Welche drei Maßnahmen wären von Ihnen zu erwarten?

Ich würde einen Energieplan für die nächsten acht bis zehn Jahre aufstellen und dazu einen parteiübergreifenden Konsens herstellen, der über eine Legislaturperiode hinaus verbindlich bleibt. In diesem Plan werden konkrete Ausbauziele für die Erneuerbaren Energien und deren regionale Verteilung festgelegt und die Netzplanungen daraufhin überarbeitet. Die Länder erhalten zur Umsetzung der Vereinbarungen mehr Zuständigkeiten und Verantwortung, in den Kommunen wird eine Energieleitplanung mit dem Schwerpunkt Wärmeversorgung eingeführt.

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