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10.05.2012 > Onlinemeldung

220 Materialen für den Schulunterricht bewertet

Wirtschaftsnahe Publikationen weisen signifikant mehr Defizite auf
Quelle: 
opolja - fotolia.com

Unabhängige Experten stellen fest: Unterrichtsmaterialien von Wirtschaftsunternehmen oder wirtschaftsnahen Institutionen weisen signifikant mehr Defizite auf als solche Materialien, die von Institutionen der öffentlichen Hand oder nicht kommerziellen Interessensverbände erstellt wurden.

Im Materialkompass Verbraucherbildung hat der Verbraucherzentrale Bundesverband bisher über 220 Unterrichtsmaterialien von einem unabhängigen Expertenteam bewerten lassen. Eine Analyse der Ergebnisse zeigt: Unterrichtsmaterialien von Wirtschaftsunternehmen oder wirtschaftsnahen Institutionen weisen signifikant mehr Defizite auf als solche Materialien, die von Institutionen der öffentlichen Hand oder nicht kommerziellen Interessensverbände erstellt wurden.

Einseitige Interessen von Anbietern in Unterrichtsmaterial

Häufigster Kritikpunkt bei den Materialen aus der Wirtschaft: Die Qualität leidet an der einseitigen und interessengeleiteten Darstellung von Fachinformationen. Sachverhalte werden beispielsweise nur aus Unternehmersicht dargestellt oder es werden verbraucherrelevante Informationen einfach weggelassen.
Dass es auch anders geht, selbst wenn der Anbieter bestimmte gesellschaftliche oder politische Ziele verfolgt, zeigen die durchweg positiver bewerteten Materialien von Nicht-Regierungsorganisationen. Obwohl es sich um Interessensverbände handelt, werden diese hier im Schnitt transparent dargestellt und auch gegensätzliche Positionen erwähnt.
Die ausführliche Analyse mit Notenspiegeln können Sie am Ende der Seite herunterladen.
Bei der Nutzung von frei verfügbarem Unterrichtsmaterial ist also Wachsamkeit geboten. Große Namen oder gut gemachte Broschüren auf Hochglanzpapier garantieren nicht automatisch Qualität.

Die Gründe für das signifikant schlechter abschneidende Material von Wirtschaftsunternehmen liegen oft in verkürzten oder tendenziösen Darstellung von Fachinhalten und einer unzureichenden didaktischen Aufbereitung. Letzteres lässt sich vielleicht damit erklären, dass Didaktik in der Regel nicht zu den Kernkompetenzen von Wirtschaftsunternehmen zählt. Ersteres lässt vermuten, dass hinter dem Vertrieb von (kostenlosen) Unterrichtsmaterialien letztlich doch direkte oder indirekte kommerzielle Interessen stehen. Diese äußern sich zum Beispiel in Versuchen, das Image bestimmter Produktlinien oder ganzer Branchen zu verbessern oder Ansichten zu propagieren, die bestimmten ökonomischen Denkschulen verpflichtet sind. Das geht dann zu Lasten umfassend dargestellter Fachinformation.

Der Materialkompass

Im Materialkompass wird jedes Material benotet und die Bewertung ausführlich begründet. Lehrkräfte bekommen so einen schnellen Überblick über die Qualität von Unterrichtsmedien und können über die Fächer- und Themenfilter schnell das Passende finden.

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