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15.11.2008 > Dokument

Was bringt den Versicherten der Wettbewerb im Gesundheitswesen? - Interview mit Stefan Etgeton, vzbv

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Peter Atkins – fotolia.com
Interview mit Dr. Stefan Etgeton, Fachbereichsleiter Gesundheit und Ernährung im Verbraucherzentrale Bundesverband, für die vpk - Verbraucherpolitische Korrespondenz (November 2008, Nr.18)

Der Gesundheitsfonds soll zu einem stärkeren Wettbewerb zwischen den Krankenkassen führen. Über die Auswirkungen für die Versicherten spricht Dr. Stefan Etgeton, Fachbereichsleiter Gesundheit und Ernährung im Verbraucherzentrale Bundesverband.

Zwischen den Krankenkassen soll künftig mehr Wettbewerb herrschen. Profitieren davon die Versicherten?
Die Kassen werden neben dem Gesamtvertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung auch Einzelverträge mit Ärzten und Einrichtungen schließen und spezielle Versorgungspakete schüren. Das kann den Versicherten Vorteile bringen, wenn sich so die Qualität der Versorgung verbessert. Für einen funktionierenden Wettbewerb müssten die Verbraucher jedoch die verschiedenen Angebote vergleichen können. Doch die Verträge der Kassen sind in der Regel vertraulich. Außerdem gibt es keinerlei Daten über die Qualität der Versorgung. Dabei müsste Transparenz eigentlich auch im Interesse der Kassen sein.

Wie kann man erreichen, dass Wettbewerb zu besserer Qualität beiträgt?
Es kommt auf die Anreize an. Der neue Risikostrukturausgleich soll dazu beitragen, dass Kassen stärker daran interessiert sind, eine gute Versorgung für chronisch Kranke anzubieten. Für diese Versichertengruppe erhält die Krankenkasse zusätzlich Geld aus dem Gesundheitsfonds. Ein Grundproblem bleibt aber bestehen: Wenn eine Kasse zum Beispiel in Diabetesversorgung investiert und dafür einen Zusatzbeitrag verlangt, dann vertreibt sie Versicherte, die kein Diabetes haben. Die können jederzeit zu einer anderen Kasse wechseln und bei Bedarf zurückkehren. Kluge Kassen werden deshalb zwar auf die Qualität achten, aber vor allem an ihrer Effizienz arbeiten.

Was ist nötig, damit Versicherte erkennen können, wer wie gut arbeitet?
Die Verbraucher sind an den Ergebnissen einer bestimmten Leistung interessiert. Um diese miteinander vergleichen zu können, brauchen wir geeignete Indikatoren. Dabei geht es um harte medizinische Ergebnisdaten, aber auch um die Erfahrung und die verschiedenen Erwartungen der Patienten. Während dem einen wichtig ist, dass sein Arzt sich regelmäßig fortbildet, legt der andere vielleicht mehr Wert auf die kommunikativen Fähigkeiten. Wichtig ist, dass die Verbraucher unabhängig informiert und beraten werden. Das Marketing der Krankenkassen, Ärzte oder Krankenhäuser reicht da nicht aus.Hintergrundinformation: Was ist der Gesundheitsfonds?

Bislang hatte jede Krankenkasse die Möglichkeit, ihren Beitragssatz selbst festzulegen. Künftig übernimmt diese Aufgabe die Bundesregierung, die alle Kassen auf einen Einheitssatz verpflichtet. Ab Januar 2009 zahlen daher alle gesetzlich Versicherten den gleichen Beitrag in Höhe von 15,5 Prozent des Bruttolohns. Das Geld fließt zunächst in eine zentrale Geldsammelstelle, den Gesundheitsfonds. Aus diesem Topf bekommen die gesetzlichen Krankenkassen für jeden Versicherten eine feste Pauschale zugewiesen. Darüber hinaus erhalten die Krankenkassen für kranke Versicherte mehr Geld aus dem Fonds. Insgesamt wurden 80 Krankheiten ausgewählt, für die es Zuschläge zur Pauschale gibt. Daneben gibt es weitere Zu- und Abschläge, abhängig vom Alter und Geschlecht der Versicherten.

Erzielen die Kassen einen Überschuss, können sie eine Prämie an ihre Versicherten ausschütten. Die Entscheidung über deren Höhe und den Zeitpunkt der Ausschüttung, monatlich oder jährlich, bleibt der Kasse überlassen. Reicht das über den Gesundheitsfonds zugewiesene Geld nicht aus, kann die Kasse von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag erheben. Der Arbeitgeber ist hiervon nicht betroffen. Das bedeutet, dass bis zur nächsten Anhebung des einheitlichen Beitragssatzes die versicherten Arbeitnehmer die Ausgabensteigerung der Krankenkassen allein tragen werden. Für Versicherte mit geringen Einkommen greift allerdings eine Überforderungsklausel: Der eingezogene Betrag darf ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens nicht übersteigen. Sind in einer Kasse viele Geringverdiener versichert, bedeutet das, dass die besser verdienenden Mitglieder dieser Kasse stärker herangezogen werden müssen. Für letztere wird dies ein Grund sein, die Versicherung zu wechseln. Dies wiederum verschärft für die betroffenen Krankenkassen den wirtschaftlichen Druck. Der Gesetzgeber hat daher die Fusion verschiedener Kasse erleichtert.

Rechts im Download finden Sie den Flyer "Krankenversicherungen - Was ändert sich 2009?" als pdf-Datei zum Download.

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