Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

27.06.2011 > Dokument

Versorgungsstrukturgesetz: Konsequente Ausrichtung am Patientenbedarf erforderlich

Stellungnahme zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung
Quelle: 
Peter Atkins – fotolia.com

Die Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung sollen verbessert werden. Ausgangspunkt der vorliegenden Gesetzesinitiative ist die Erkenntnis, dass in Deutschland Über-, Unter- und Fehlversorgung nebeneinander bestehen. Eine Reform der Versorgungssteuerung, die diese Probleme beseitigen soll, muss sich konsequent am medizinischen Bedarf der Bevölkerung ausrichten. Hier eine Stellungnahme mit den Argumenten des Verbraucherzentrale Bundesverbandes zum geplanten Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung sollen verbessert werden. Ausgangspunkt der vorliegenden Gesetzesinitiative ist die seit langem bestehende Erkenntnis, dass in Deutschland Über-, Unter- und Fehlversorgung nebeneinander bestehen. Deshalb werden die Patienten wesentlich schlechter versorgt, als der enorme Ressourceneinsatz im Gesundheitswesen eigentlich ermöglichen würde.

Versorgungssteuerung nicht an den Ärzten, sondern an den Patienten ausrichten

Eine Reform der Versorgungssteuerung, die diese Probleme beseitigen soll, muss sich konsequent am medizinischen Bedarf der Bevölkerung ausrichten.

Die Patienten werden wesentlich schlechter versorgt, als der enorme Ressourceneinsatz im Gesundheitswesen eigentlich ermöglichen würde.

  • Überversorgung: Viele und vor allem auch hochspezialisierte Behandlungseinrichtungen konzentrieren sich in urbanen Regionen mit hohem Durchschnittseinkommen. Die ansässigen Patienten erhalten zu viele medizinische Leistungen. Das hat nicht nur hohe Kosten zur Folge; mit jeder Behandlung ist auch das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen verbunden.
  • Unterversorgung: In ländlichen Regionen und strukturschwachen Stadt-vierteln fehlen Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere in der Grundversorgung mit Haus- und Kinderärzten sowie Fachärzten mit breitem, versorgungsorientiertem Leistungsspektrum. Lange Wartezeiten und Anfahrtswege sowie generell zu wenig medizinische Behandlung fördern Chronifizierungen und damit vermeidbare und letztlich teure gesundheitliche Beeinträchtigungen.
  • Fehlversorgung: Patienten erreichen häufig nicht die Versorgungsangebote, die für ihren Bedarf das geeignetste Leistungsspektrum aufweisen. Statt einer kontinuierlichen, zuwendungsorientierten Betreuung erhalten sie hochspezialisierte Leistungen - oder umgekehrt. Besonders die Versorgung mit fachinternistischen Angeboten ist oft zufallsgesteuert. Beim Übergang zwischen den Sektoren, insbesondere bei der Entlassung aus dem Krankenhaus, tun sich gefährliche Versorgungslücken auf.

Eine Reform der Versorgungssteuerung, die diese Probleme beseitigen soll, muss sich konsequent am medizinischen Bedarf der Bevölkerung ausrichten. Dem stehen die Interessen der Akteure entgegen: Niedergelassene Ärzte wollen Freizügigkeit, möglichst keine Belastungen durch Notdienste oder Dokumentationspflichten und die Freiheit, jene Leistungen anzubieten, die ihnen möglichst hohe Einnahmen sichern. Die Länder wiederum wollen die Freiheit, Klinikkapazitäten nach Maßgabe lokalpolitischer Überlegungen planen zu können und Einnahmequellen in Leistungsbereichen zu erschließen, die bisher der ambulanten Versorgung vorbehalten waren. In diesem Spannungsfeld der Klientelpolitik verliert sich der vorliegende Maßnahmenkatalog.

Lesen Sie die Argumente des Verbraucherzentrale Bundesverbandes in der Stellungnahme zum Referentenentwurf zum Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Die Stellungnahme finden Sie im Download.

Den Link zum Referentenentwurf - Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung - des Bundesgesundheitsministeriums finden Sie ebenfalls im Download.

Downloads

Weitere Informationen