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15.09.2007 > Dokument

Unser Konsumverhalten entscheidet mit über die Zukunft der biologischen Vielfalt

Quelle: 
Peter Atkins – fotolia.com

Gastkommentar von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in der vpk - Verbraucherpolitische Korrespondenz (September 2007, Nr.11)

Über das weltweite Schicksal von Wäldern, Flüssen und Meeren mitsamt ihren Lebensgemeinschaften bestimmen wir Verbraucher tagtäglich mit: durch unsere Entscheidungen, welche Lebensmittel, Kleidung oder Art der Fortbewegung wir tagtäglich wählen. Unser hoher Fleischkonsum führt weltweit zur verstärkten Rodung von Waldflächen, die zum Anbau von Futterpflanzen für Mastvieh benötigt werden. Unser Appetit auf frischen und exotischen Fisch hat zu einer massiven Überfischung der Meere geführt, so dass, sollten wir so weiter machen, bereits im Jahr 2050 kein kommerzieller Fischfang mehr möglich sein wird. Art und Umfang unseres Energieverbrauchs führen weltweit zum Verschwinden natürlicher Ökosysteme, indirekt durch den Wandel des Weltklimas, aber auch ganz direkt über die zunehmende Nachfrage nach Energie aus Biomasse.

Mit den Lebensräumen verschwinden nicht nur Pflanzen- und Tierarten. Wir verlieren auch das, was intakte Lebensräume für uns Menschen nebenbei produzieren, beispielsweise sauberes Wasser und fruchtbare Böden. Es ist bezeichnend, dass wir diesen Nutzen für uns bis heute nicht in den volkswirtschaftlichen Bilanzen einkalkulieren. Unter deutschem Vorsitz haben deshalb die acht wichtigsten Industrienationen eine globale Studie beschlossen, mit der die Leistungen der biologischen Vielfalt und die Kosten, die entstehen, wenn wir ihren Schutz vernachlässigen, zum ersten Mal ökonomisch geschätzt werden sollen.

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat in ihrer neuesten Roten Liste der gefährdeten Arten den Zusammenhang zwischen unserem Konsumverhalten und dem Artenschwund verdeutlicht. Die Übernutzung unserer Lebensgrundlagen sowie die daraus folgende Verschmutzung sind entscheidend dafür verantwortlich, dass heute biologische Arten schätzungsweise 100 bis 1000-fach schneller aussterben als in der Vergangenheit.

Und wir Verbraucher in den Industrieländern sind die treibende Kraft in diesen Prozessen. Experten gehen davon aus, dass der Ressourcenverbrauch in Deutschland die Kapazität der Ökosysteme in Deutschland um mehr als 50% übersteigt. Wir leben über unsere Verhältnisse und gefährden die Lebensbedingungen für unsere Kinder.

Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg haben sich die Staats- und Regierungschefs darauf verständigt, den weltweiten Verlust an Artenvielfalt bis zum Jahr 2010 entscheidend zu verlangsamen. Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist das zentrale Instrument auf Ebene der Vereinten Nationen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Bundesregierung nimmt dieses Ziel ernst und hat deshalb die letzte Vertragsstaatenkonferenz vor dem Zieldatum 2010 nach Deutschland eingeladen.

Zentrale Themen der Konferenz, sie wird im Mai 2008 in Bonn stattfinden, sind unter anderem der Schutz der Wälder sowie der Schutz von Meeresökosystemen durch die Einrichtung von Schutzgebietsnetzen. Beide Themen zeigen den unmittelbaren Bezug zu unserem Verhalten als Verbraucher. Die Ausweisung von Schutzgebieten liegt zwar nicht unmittelbar in der Macht von Verbrauchern, wir können aber durch weise Entscheidungen, sei es im Baumarkt oder an der Fischtheke, einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt in Wäldern und in Meeren leisten. Wenn sich beispielsweise Holz und Holzprodukte gar nicht mehr verkaufen lassen, wenn sie nicht nach Kriterien zertifiziert wurden, die die nachhaltige Nutzung von Wäldern und ihrer biologischen Vielfalt garantieren, dann ist schon viel gewonnen.

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