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11.02.2014 > Dokument

Qualität der Arzneimittelversorgung in den Blick nehmen

Bundesregierung will Nutzenbewertung von Arzneimitteln einschränken
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Peter Atkins – fotolia.com

Risiken und Nebenwirkungen – damit muss jeder rechnen, der Medikamente einnimmt. Nun will die Bundesregierung die geplante Nutzenbewertung von bereits zugelassenen Arzneimitteln stoppen – um Aufwand zu sparen. Allerdings geht dies zu Lasten der Qualität der Arzneimittelversorgung und der Patientensicherheit.

Mit der so genannten Nutzenbewertung sollte auch bei bereits zugelassenen Arzneimitteln geprüft werden, wie gut sie tatsächlich helfen und welches Schadenspotential sie haben. Ein neues Gesetz will nun die geplante Überprüfung bereits zugelassener Arzneimittel stoppen. Künftig sollen nur noch neu zugelassene Arzneimittel die Nutzenbewertung durchlaufen.

Allerdings geht dies zu Lasten der Qualität der Arzneimittelversorgung und der Patientensicherheit. „Die Nutzenbewertung spielt eine entscheidende Rolle bei der Qualität der Arzneimittelversorgung und der Patientensicherheit. Es reicht nicht aus, die Thematik nur unter ökomischen Gesichtspunkten anzugehen“, sagt Kai Vogel, Leiter des Teams Gesundheit beim Verbrauchzentrale Bundesverbandes (vzbv).

Da die Nutzenbewertung den Kostenträgern helfen sollte, Geld zu sparen, sieht der Gesetzentwurf zur Kompensation auch Regelungen vor, die die Hersteller von Arzneimitteln belasten.

Preisebremse sinnvoll

Das gegenwärtig geltende Preisregelement für verschreibungspflichtige Medikamente soll deshalb bis zum 31. Dezember 2017 im Wesentlichen fortgeführt werden. Da die Hersteller aber künftig keinen zusätzlichen Herstellerrabatt mehr entrichten müssen, wird die Belastung der pharmazeutischen Industrie insgesamt deutlich verringert. Der Kostendruck innerhalb der Krankenversicherung wird damit zunehmen.

Patienten sollen besser informiert werden

Kommt das Gesetz durch, kann der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zwar weiterhin Festbetragsgruppen auch für vor 2011 zugelassene Arzneimittel bilden und deren Verordnungsfähigkeit einschränken. Doch ohne Nutzenbewertung fehlen dem G-BA grundlegende und fundierte Informationen, um solche weitreichende Maßnahmen treffen zu können.

Der vzbv fordert, dass die Nutzenbewertung des Bestandsmarktes, zumindest bei neuen oder erweiterten Zulassungen für ein neues Anwendungsgebiet oder eine andere Anwendungsform, beibehalten wird. Zusätzlich sollen Patientinnen und Patienten alle verfügbaren Informationen zur Nutzenbilanz der ihnen seit Jahren verordneten Medikamente erhalten, damit sie selbstbestimmte Entscheidungen treffen können.

 

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