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11.12.2014 > Dokument

Mehr Datenschutz und bessere Datenübertragbarkeit stärken den Wettbewerb auf digitalen Märkten

Stellungnahme des vzbv zum Sondergutachten der Monopolkommission
Quelle: 
Photocase.com / Fasserhaus

Auf den digitalen Märkten gehört das Sammeln und Auswerten von Nutzerdaten zum Geschäftsmodell vieler Unternehmen – etwa bei Sozialen Netzwerken, Handelsplattformen oder Streaming-Diensten. Die Wettbewerbsaufsicht misst diesen Nutzerdaten bislang keinen vermögensbildenden Unternehmenswert zu. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, Nutzerdaten als wettbewerbsrelevanten Faktor zu berücksichtigen, Anbieterwechsel zu erleichtern und Nutzern mehr Kontrolle über die eigenen Daten zu geben.

„Nutzerdaten sind ein immer wertvolleres Gut für Unternehmen. Es gilt, den Wert der Daten auch bei der Wettbewerbskontrolle entsprechend zu berücksichtigen“, sagt Helga Springeneer, Leiterin des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim vzbv. Die wirtschaftliche Bedeutung von Nutzerdaten ist für Unternehmen größer denn je, wie die milliardenschwere Übernahme des Instant-Messaging Dienstes WhatsApp durch das soziale Netzwerk Facebook verdeutlicht.

In einer Stellungnahme im Rahmen eines Gutachtens der Monopolkommission zum Wettbewerb auf digitalen Märkten weist der vzbv auf die Bedeutung von Nutzerdaten hin und fordert konkrete Maßnahmen, um den Wettbewerb zu verbessern.

Datenübertragbarkeit sichert Wettbewerb

Der Wettbewerb im Netz lebt davon, dass Nutzer schnell den Anbieter wechseln können. Dies sorgt für niedrige Preise und ist ein Anreiz für junge Unternehmen innovative Dienstleistungen zu entwickeln. Wenn aber die Nutzer auf die von den Unternehmen gesammelten Nutzerdaten nicht ungehindert zugreifen können, erhalten etablierte Unternehmen einen unangemessenen Wettbewerbsvorteil. Viele Dienste, etwa große Internethändler oder Streaming-Dienste, arbeiten mit Empfehlungssystemen. Auf Basis von Bewertungen, der Klick- und Kaufhistorie werden Nutzern passende Produkte empfohlen. Bei einem Plattformwechsel hat der Nutzer erneut den Aufwand ein Profil mit Bewertungen anzulegen, um Empfehlungen zu erhalten. Das erschwert die Entscheidung für einen Wechsel. Dies ist insbesondere problematisch, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher unzufrieden sind oder mit nachteiligen Veränderungen der AGB oder Datenschutzerklärungen konfrontiert werden.

Der vzbv fordert, das Recht auf Datenübertragbarkeit in der künftigen EU-Datenschutzgrundverordnung konsequent zu verankern. Nutzer sollen von Unternehmen ihre personenbezogenen Daten als Kopie in einem gängigen Format verlangen können, um diese kostenlos in andere Systeme zu überführen. Dadurch würde die Kontrolle der Verbraucher über ihre Daten gestärkt, der Markt geöffnet und der Wettbewerb gefördert werden. Gleichzeitig würde der Datenschutz gestärkt und könnte zu einem echten Wettbewerbsfaktor werden, durch den sich Unternehmen profilieren können.

„Wettbewerb in digitalen Märkten wird an vielen Stellen verhindert, wenn soziale Netzwerke, Handelsplattformen und Suchmaschinen ihre Stellung im Markt und ihren Vorsprung bei der Datensammlung ausnutzen, um kleinere Konkurrenten auszugrenzen. Das schadet dem Verbraucher“, sagt Helga Springeneer.

Weitere Anmerkungen und Forderungen, etwa zur Neutralität von Suchmaschinen, sind der Stellungnahme im Download zu entnehmen.

Downloads

Wettbewerb auf digitalen Märkten - Stellungnahme zum Sondergutachten Monopolkommission | 5. Dezember 2014