Skip to content Skip to navigation Logo Verbraucherzentrale Bundesverband

04.12.2009 > Dokument

Im Internet Vertrauen schaffen - Gastkommentar von August-Wilhelm Scheer

Quelle: 
Peter Atkins – fotolia.com

Gastkommentar des Präsidenten des Hightech-Verbandes Bitkom, Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, für die vpk - die Zeitschrift des Verbraucherzentrale Bundesverbands (Dezember 2009, Nr. 24)

Die meisten Internet-Nutzer haben heute zahlreiche digitale Identitäten: als Kunde beim Online-Banking oder in Online-
Shops, als Nutzer von Marktplätzen oder Mitglied in Communitys. Jeder dritte Surfer nutzt zudem das Internet, um etwas aus seinem Leben zu veröffentlichen - persönliche Meinungen, Erlebnisse oder Fotos. Noch vor wenigen Jahren wurden Tagebücher an geheimem Ort weggesperrt. Heute kehren viele ihr Innerstes nach außen. Verbraucher müssen Vertrauen haben, dass persönliche Informationen in der digitalen Welt geschützt werden können.
Daran waren zuletzt zu oft Zweifel erlaubt. Datenskandale sorgten für Schlagzeilen: Mal hatten Mitarbeiter Kundendaten unrechtmäßig genutzt, mal wurden Adressen ohne Genehmigung weitergegeben, mal Daten schlicht gestohlen. Der Daten- und Verbraucherschutz im Web ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen. Das ist der positive Effekt der Schlagzeilen.

Aus Eigeninteresse gegen schwarze Schafe
Schwarze Schafe sind immer wieder dabei, dem Ruf der ganzen Wirtschaft zu schaden. Wir haben ein ureigenes Interesse, das nicht zuzulassen. Seriöse Geschäftsmodelle funktionieren nur auf der Basis von Vertrauen. Gemeinsam mit der Politik wollen wir deutlich machen: Solche Verstöße sind kein Kavaliersdelikt. Dabei ist es falsch, immer zuerst Gesetze zu verschärfen oder Bußgelder zu erhöhen. Das gültige Recht muss zunächst konsequent durchgesetzt werden. Wenn der Strafrahmen kaum ausgeschöpft wird, sind Paragraphen zahnlose Tiger.

Runderneuerung des Datenschutzes
Trotzdem müssen wir den Datenschutz besser an das digitale Zeitalter anpassen. Unser Datenschutzrecht stammt in weiten Teilen noch aus der Ära der Lochkarten; die elektronische Datenverarbeitung und das Internet sind nicht ausreichend berücksichtigt. Oberflächliche Änderungen nach Fällen von Datenmissbrauch genügen nicht. Wir brauchen eine Runderneuerung des Gesetzes. Auch im BITKOM meinen wir, dass im Zentrum die Selbstbestimmung der Verbraucher stehen muss. Viele Menschen wollen Werbung erhalten, andere nicht. Wichtig ist, dass die Kunden wissen, wer zu welchem Zweck ihre Daten nutzen darf. Wir ermutigen die Internet-Unternehmen und Provider, auch von sich aus für Transparenz zu sorgen. Ich bin überzeugt, dass Offenheit ein Wettbewerbsvorteil sein kann. Man sollte es aber auch honorieren, wenn Unternehmen vorbildlich handeln. Deshalb unterstützen wir ein freiwilliges Datenschutz-Audit. Das Audit sollte unbürokratisch sein und sich für alle Geschäftsmodelle eignen.

Watch Your Web
Zudem müssen die Medienkompetenz und Eigenverantwortung der Nutzer gestärkt werden. Sehr oft haben es die Nutzer selbst in der Hand, wie viel sie von sich preisgeben und wem sie private
Details zugänglich machen. Die IT-Branche engagiert sich daher in Vereinen wie "Deutschland sicher im Netz", wo es neben der IT-Sicherheit auch um den Schutz der eigenen Privatsphäre geht. Speziell für Jugendliche unterstützen wir die Kampagne "Watch Your Web", bei der es um den bewussten Umgang mit Daten in Communities geht. Gerade für die junge Generation ist es wichtig, Maßstäbe für die Privatsphäre zu entwickeln. Die Meinungsbildung zum Daten- und Verbraucherschutz im Web sollte auch in der Schule stattfinden. Der Informatikunterricht, der sich dafür eignet, müsste überall Standard sein.

Downloads

vpk Dezember 2009 - 860 KB

Weitere Informationen