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20.11.2012 > Pressemitteilung

Verkehrswende braucht langfristige Konzepte

Tagung zur Mobilität der Zukunft zeigt: Verbraucher wollen ein einheitliches Verkehrssystem und vergleichbare Informationen
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert Unternehmen und Politik auf, an der Verkehrswende mitzuwirken und intelligente Lösungen für integrierte Mobilität zu entwickeln. „Wir brauchen die Verkehrswende genauso dringend wie die Energiewende“, sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen. „Ohne öffentlichen Verkehr sind in Zukunft viele Menschen von der Mobilität abgeschnitten. Für die Verkehrswende aber fehlen langfristige Konzepte, die Bund und Länder gemeinsam erarbeiten. Eine nachhaltige Verkehrspolitik muss bundesweit bezahlbare, übersichtliche und effiziente Transportangebote für Verbraucher auf den Weg bringen.“

Über konkrete Konzepte für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik diskutierten am 19. November Experten und Verbraucher auf einer Tagung des vzbv. Die Tagungsteilnehmer erarbeiteten gemeinsame Handlungsziele für Politik und Wirtschaft. Gemeinsam stellten sie fest, dass die Vision der Verkehrswende von vielen Verbrauchern schon heute gelebt wird. So steigen viele auf das Fahrrad um, die Attraktivität des Autos lässt nach.

Die langfristigen Konzepte der Politik aber fehlen, um den gestiegenen Fahrradverkehr aufzufangen und multimodale Mobilität, also die Kombination verschiedener Verkehrsmittel, zu ermöglichen. „Was Verbraucher schon umsetzen, wird von Politik und Wirtschaft nicht ausreichend unterstützt“, sagt Billen. Er fordert eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern, bessere Schnittstellen zwischen den Verkehrssystemen, eine Kontrolle der Kosten und einen leichteren Zugang zu Informationen über Verbindungsmöglichkeiten und -kosten.

Für eine Kontrolle der Kosten brauchen Verbraucher Alternativen zum Öl: Allein vom Jahr 2009 bis zum Jahr 2011 sind die Spritkosten für einen durchschnittlichen Autofahrer um über 200 Euro gestiegen. Elektromobilität, Verkehrsvermeidung und multimodale Mobilität könnten Auswege aus der Kostenfalle sein.

Bedarfsgerecht kombinieren mit der „Mobilitäts-App“

Viel Potenzial für ein kostengünstiges und attraktives Mobilitätsangebot steckt in der Idee, alle Mobilitätsdienstleistungen zu einem Komplettangebot zu verschmelzen. Dafür brauchen Verkehrsnutzer Zugang zu allen relevanten Informationen. Die Informationen könnte eine „Mobilitäts-App“ sicht- und kombinierbar machen. Die App könnte die Daten der Verkehrsunternehmen bündeln und Verbraucher über Fahrzeiten und Preise informieren. Das Ziel: ein bedarfsgerechter Mix aus Taxi, Zug, Mitfahrgelegenheit oder Leihfahrrad.

„Wenn ich auf einen Blick auf meinem Smartphone sehe, welcher Bus mich in den Nachbarort fährt und wann ich meinen Anschlusszug bekomme, lasse ich mein Auto auch mal stehen“, sagt Billen. „Gute Ansätze scheitern aber daran, dass Verkehrsunternehmen am Chaos unterschiedlichster Tarife festhalten und der politische Rückhalt für einen Deutschlandtarif fehlt.“

Die Folge: Das Auto siegt im Bequemlichkeitsranking. Die Verkehrspolitik sollte sich nach Ansicht des vzbv neuen Ideen öffnen und ihren Teil dazu beitragen, die Verkehrswende umzusetzen. „Verbraucherorientierte Verkehrspolitik heißt, nicht mehr vom einzelnen Verkehrsmittel her zu denken, sondern vom praktischen Nutzen für den Verbraucher“, so Billen.