Datum: 18.01.2017

Verbraucherzentralen für Klartext bei Nahrungsergänzungsmitteln

Neues Internetangebot www.klartext-nahrungsergaenzung.de auf der Internationalen Grünen Woche vorgestellt

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  • Aktuelle Umfrage: Etwa die Hälfte der Befragten meint, Nahrungsergänzungsmittel seien gesundheitsfördernd und die Produkte seien geprüft.
  • Verbraucherzentralen fordern wegen möglicher Risiken eine Zulassungspflicht für Nahrungsergänzungsmittel.
  • Das neue interaktive Internetangebot der Verbraucherzentralen www.klartext-nahrungsergaenzung.de liefert Verbrauchern Informationen und beantwortet ihre Fragen und Beschwerden.

Die Verbraucherzentralen stellen auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin ihr neues Internetangebot www.klartext-nahrungsergaenzung.de vor. Das Online-Angebot bietet Verbrauchern verlässliche Orientierung und Informationen über Risiken oder auch einen möglichen Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordern staatliche Zulassungsverfahren, eine öffentlich zugängliche Produktdatenbank sowie anbieterunabhängige Informationen über mögliche Risiken der Produkte.

„Der Großteil der Bevölkerung Deutschlands ist heute mit Nährstoffen ausreichend versorgt. Dennoch wird in Deutschland jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben. Jeder dritte Befragte nimmt Nahrungsergänzungsmittel ein“, so Angela Clausen, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, zu einer aktuellen repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen. „Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren zu wenig über diese Produkte und unterschätzen daher die Risiken.“

Mit dem Internetangebot „Klartext Nahrungsergänzung“ informieren die Verbraucherzentralen über Produkte, die für breite Anwendungsgebiete und Zielgruppen angeboten werden. Verbraucher können sich per Mausklick informieren, Fragen an Ernährungsexperten stellen und Produktbeschwerden einreichen.

Magnesiumprodukte im Test

Zum Start des Internetangebots veröffentlichen die Verbraucherzentralen einen Marktcheck über magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel. Das Ergebnis: 57 Prozent der untersuchten Produkte sind überdosiert. Je nach Magnesiumkonzentration kann es dadurch schon zu Nebenwirkungen wie Durchfall und Erbrechen kommen. Viele der Produkte enthalten außerdem Vitamine und Mineralien in zu hohen Dosierungen oder ungünstigen Kombinationen. Bei 40 Prozent der im Internet vertriebenen Produkte werben die Anbieter zudem mit nicht zugelassenen Gesundheitsaussagen.

Behördliche Zulassung von Nahrungsergänzungsmitteln fehlt

Knapp die Hälfte der Verbraucher (47 Prozent) vertraut laut der Umfrage darauf, dass Nahrungsergänzungsmittel, die in Deutschland verkauft werden, vorher amtlich auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft wurden. Das ist jedoch nicht der Fall: Hersteller müssen neue Produkte lediglich anmelden.

Verbraucherzentralen und vzbv fordern Politik zum Handeln auf

„Viele Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln vermitteln Verbrauchern, sie würden ihrer Gesundheit etwas Gutes damit tun. Häufig aber sind solche Produkte Geldverschwendung, manchmal sogar gesundheitsgefährdend“, so Klaus Müller, Vorstand des vzbv. „Nahrungsergänzungsmittel sind keine herkömmlichen Lebensmittel. Wir brauchen dringend klare Regeln für sinnvolle Dosierungen und definierte Anforderungen an die Inhaltsstoffe. Wir fordern eine behördliche Sicherheitsprüfung und staatliche Zulassungsverfahren für Nahrungsergänzungsmittel“, so Müller. 

Im Klartext: Damit sich Verbraucher darauf verlassen können, dass nur gesundheitlich unbedenkliche Produkte vertrieben werden, brauche es EU-Regelungen wie Positivlisten für zugesetzte Stoffe und klare Höchstmengenregelungen. Außerdem müssten versprochene Wirkungen wissenschaftlich abgesichert sein. Solange es keine europaweiten Regelungen gäbe, seien nationale Vorgaben nötig.

Die Verbraucherzentralen und der vzbv fordern eine Zulassungspflicht mit einer Sicherheitsprüfung für Nahrungsergänzungsmittel. Verbraucher müssten zudem in einer öffentlichen Liste im Internet einsehen können, welche Produkte von den Behörden geprüft wurden. Für Beschwerden und unerwartete Wirkungen müsse zudem eine Meldestelle eingerichtet werden, an die sich Verbraucher unkompliziert wenden können. 

Downloads

21-02-16 Positionspapier vzbv und VZn NEM

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Anne Markwardt, Leiterin Team Lebensmittel des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv)

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