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17.11.2015 > Pressemitteilung

Smart Meter: Verbraucher lehnen Zwangsdigitalisierung ab

Laut Umfrage sind 70 Prozent gegen Zwangseinbau digitaler Stromzähler
Quelle: 
vzbv
  • Smart Meter verursachen Kosten und bringen Verbrauchern wenig Nutzen.
  • vzbv fordert: Der Einbau von Smart Meter muss auf Freiwilligkeit basieren.
  • Digitale Stromzähler bei Kleinverbrauchern bringen keinen Mehrwert für die Energiewende.
     

Trotz massiver Kritik sollen nach Plänen der Bundesregierung „intelligente“ digitale Stromzähler ab dem Jahr 2017 in jedem Haushalt eingebaut werden. Verbraucherinnen und Verbraucher sind skeptisch: 70 Prozent halten eine Zwangsdigitalisierung durch den Einbau intelligenter Stromzähler für falsch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Der vzbv fordert: keine Zwangsdigitalisierung der Verbraucher. Denn Smart Meter sind teuer und bringen fast keine Vorteile für Verbraucher. Zu erwarten sind jährliche Kosten in Höhe von bis zu 100 Euro für Bereitstellung und Nutzung der digitalen Stromzähler.

Laut Umfrage befürchtet mehr als jeder Dritte (38 Prozent) zusätzliche Kosten, die mit dem Einbau von Smart Meter verbunden sind. Und sogar die Hälfte der Befragten sorgt sich um die Sicherheit ihrer Daten.

„Verbraucherinnen und Verbraucher sind nicht von Smart Meter überzeugt. Für die meisten Haushalte wird sich der Einbau auch nicht lohnen. Zwang ist also der falsche Weg“, sagt Ingmar Streese, Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim vzbv. Der vzbv kritisiert, Smart Meter würden bei durchschnittlichen Haushalten zusätzliche Kosten verursachen. Ein Nutzen ist hingegen aufgrund fehlender variabler Tarife und offener Fragen bei der Visualisierung des Verbrauchs nicht gesichert.

Kein Beitrag zur Energiewende

Die digitale Messung des Stroms bei Kleinverbrauchern sei auch kein Beitrag zur Energiewende. Das Bundeswirtschaftsministerium kommuniziert das Smart-Meter-Gesetzespaket als notwendig für die Energiewende. Das mag für Industrie und gewerbliche Großverbraucher zutreffen. Bei durchschnittlichen Haushalten und Kleinsterzeugern auf einen Zwangseinbau zu setzen, ist aber der falsche Weg, so der vzbv. Denn Smart Meter helfen weder beim Sparen von Energie noch im Portemonnaie der Verbraucher. Fazit: „Verbraucher sollten selber entscheiden können, ob sie dem Einbau digitaler Stromzähler zustimmen“, so Streese.

Das Kabinett hatte den Gesetzentwurf „Digitalisierung der Energiewende“ am 4. November 2015 beschlossen. Er sieht vor, dass alle Haushalte mit einem Verbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden (kWh) ein intelligentes Messsystem bekommen werden. Alle anderen Haushalte sollen schrittweise ab dem Jahr 2020 mit intelligenten Zählern ausgerüstet werden. In Haushalten, die weniger als 6.000 kWh verbrauchen, könnten Netzbetreiber oder Vermieter den Einbau eines intelligenten Messsystems veranlassen. Auch hier hätten Verbraucher kein Mitspracherecht.

Auf Freiwilligkeit setzen

Das Gesetz soll noch im Dezember 2015 im Bundesrat und im Januar 2016 im Deutschen Bundestag beraten werden. Der vzbv fordert die Länder und die Abgeordneten des Bundestags auf, das Gesetz nicht zu verabschieden und für Nachbesserungen zu sorgen. Statt auf Zwang zu setzen, sollte die Möglichkeit für einen freiwilligen und marktgetriebenen Einbau gegeben werden.

Infografiken

Der vzbv stellt Infografiken zur Umfrage als Download bereit.

Sendefähige O-Töne

Wir bieten sendefähige O-Töne von Ingmar Streese, Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim vzbv, und Marion Jungbluth, Leiterin des Teams Energie und Mobilität beim vzbv an. Sie dürfen diese für die Berichterstattung nutzen.