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16.12.2014 > Pressemitteilung

Schufa und Co: Kredit-Scoring-Verfahren undurchsichtig

Junger Mann beobachtet mit Fernglas; Quelle: Fotolia.com / FotoliaXIV
BMJV-Studie zeigt: Datenschutznovelle 2009 war zu zaghaft
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Fotolia.com / FotoliaXIV

Datenschützer weisen in einer Studie für das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) nach: Es ist intransparent, mit welchen Methoden Scoring-Unternehmen die Kreditwürdigkeit von Verbraucherinnen und Verbrauchern analysieren – trotz der Datenschutz-Novelle im Jahr 2009. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mahnt, dass unter diesen Bedingungen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung nicht gewahrt werde.

In der falschen Straße wohnen, das kann unter Umständen genügen, um einen Kredit nicht zu erhalten. Denn Scoring-Unternehmen durchleuchten Verbraucher anhand von persönlichen Daten oft auch der Adresse. In Europa zunehmend auch nach dem Verhalten in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Wer in einem „Problemviertel“ wohnt, kann daher auch schlechter bewertet werden – selbst wenn die persönlichen Finanzen stimmen. Wie Scoring-Unternehmen zu ihren Bewertungen gelangen, ist für Verbraucher undurchsichtig.
Die Datenschutz-Novelle aus dem Jahr 2009 sollte das ändern und das Verfahren transparenter machen. Dass das nicht funktioniert hat, zeigt eine Studie des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) und der des Instituts für Grundlagen- und Programmforschung im Auftrag des BMJV. Ihr Ergebnis: Die Datenschutz-Novelle 2009 ist unzureichend.  

„Der Gesetzgeber muss für schnelle Abhilfe sorgen“, sagt Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen beim vzbv. „Die Diskussion um die europäische Datenschutzgrundverordnung darf nicht vorgeschoben werden und national zum Stillstand führen. Um Verbraucher vor Willkür und Intransparenz bei Scoring-Verfahren zu schützen müssen jetzt Lösungen her“, so Dorothea Mohn. Die Kritik konzentriert sich auf folgende Punkte:

1. Scoring-Modelle müssen transparent sein

Welche Daten sind relevant und wie werden sie gewichtet? Das bleibt das Geheimnis der Scoring-Unternehmen. Die Analyse-Verfahren sind für Verbraucher undurchsichtig. Auch Experten bleiben die Verfahren weitgehend verborgen, da nur die für ein Unternehmen jeweils zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde Einblick nehmen kann. Es gibt Hinweise, dass einige Firmen sich bei der Einschätzung der Kreditwürdigkeit in erster Linie auf die Adresse der Verbraucher stützen. Die wahre Bonität spiegelt das nicht wieder. Deshalb muss für eine unabhängige wissenschaftliche Bewertung der Verfahren die erforderliche Transparenz geschaffen werden.  

2. Korrekturen in der Berechnung müssen möglich sein

Auch beim Scoring sind Fehleinschätzungen möglich. Daher sollten Verbraucher die Möglichkeit haben, Informationen darüber zu erhalten, wie ihr Scoring zu Stande kam. Im Falle von Fehleinschätzungen muss es möglich sein, diese zu korrigieren. Dies setzt voraus, dass Verbraucher in Erfahrung bringen können, warum sie schlecht bewertet wurden.

3. Soziale Medien dürfen nicht zur Grundlage für Bewertungsverfahren werden

Besonders kritisch ist die Einbeziehung von Daten aus Sozialen Medien zu sehen – ein Verfahren, das im Ausland bereits praktiziert wird. Zwar ist noch unklar, welche Daten Scoringunternehmen in Zukunft nutzen werden und wie relevant diese Daten sein könnten. „Bonität muss ausschließlich auf validen Kriterien bewertet werden, nicht danach, mit wem Verbraucher im Netz befreundet sind, was sie gern einkaufen oder welche Apps sie installieren“, sagt Mohn. Es sei auch mit dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung unvereinbar, wenn jegliches Verhalten von Verbrauchern ausgewertet würde. Das Problem könne nur gelöst werden, wenn der Gesetzgeber die für das Scoring zulässigen Datenarten und Quellen klar eingrenze.

4. Alt-Einträge löschen und Neuanfang ermöglichen

Ehemals verschuldete Verbraucher, die erfolgreich ein Insolvenzverfahren durchlaufen haben, bleiben für Auskunfteien trotzdem weiter weniger kreditwürdig. Wird der Eintrag über die erteilte Restschuldbefreiung aus den Schuldnerverzeichnissen der Justiz entfernt, muss dieser aus Sicht des vzbv auch bei Auskunfteien gelöscht werden. „Auskunfteien dürfen nicht das Recht haben, Verbraucher länger als vom Gesetzgeber gewollt als ehemalige Insolvenzschuldner zu stigmatisieren“, so Mohn.

Diese Meldung wurde am 20.01.2015 aktualisiert.