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28.08.2015 > Pressemitteilung

Keine Einigung über Standards für Weidemilch

Dialog mit Milchindustrie-Verband beendet
Quelle: 
Miriam Dörr - fotolia.com

Die Aufschrift „Weidemilch“ weckt bei Verbraucherinnen und Verbrauchern Erwartungen, die nicht eingelöst werden. Das zeigen wiederholte Beschwerden auf dem Onlineportal lebensmittelklarheit.de wie auch repräsentative Studien. Die Qualitätskriterien, die dem Begriff Weidemilch zugrunde liegen, sind zudem für Verbraucher nicht auf den ersten Blick erkennbar. Das nahm der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zum Anlass, um im Frühjahr 2014 mit dem Milchindustrie-Verband (MIV) im Rahmen des Projekts Lebensmittelklarheit einen Dialog zu Standards und Kennzeichnung von Weidemilch zu starten. Der Dialog wurde jetzt ohne Einigung beendet.

„Weidemilch darf kein Werbeversprechen sein, das wenig mit der Realität zu tun hat. Weidemilch ist teurer als herkömmliche Milch. Der höhere Preis ist nur gerechtfertigt, wenn auch wesentlich höhere Standards erfüllt sind“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv. In repräsentativen Studien und im Onlineportal lebensmittelklarheit.de des vzbv und der Verbraucherzentralen gaben Verbraucher an, dass sie bei Weidemilch erwarten, dass die Kühe während der gesamten Saison von April bis Oktober auf der Weide stehen. Zudem gehen sie davon aus, dass die Tiere das gesamte Jahr artgerecht mit Weideprodukten wie Gras und Heu gefüttert werden und das Futter gentechnikfrei ist.

Der vzbv vertrat diese Forderungen gegenüber dem MIV. Zudem sprach er sich für regelmäßige Kontrollen der Weidemilchstandards durch ein externes Kontrollinstitut aus, wie sie bereits bei mindestens einer Molkerei durchgeführt werden. Über die Qualitätsstandards sollte übersichtlich auf der Verpackung informiert werden, zum Beispiel in Form einer Tabelle.

Wesentlichen Forderungen der Verbraucher konnte der Milchindustrie-Verband nicht in vollem Umfang entsprechen. Zwar können die Molkereien eine artgerechte Fütterung mit Weideprodukten sowie eine Mindestweidedauer von jeweils sechs Stunden an 120 Tagen im Jahr gewährleisten. Gentechnikfreies Futter und externe Kontrollen waren aber K.O.-Kriterien für einen Kompromiss.

Über Lebensmittelklarheit

Das Internetportal lebensmittelklarheit.de bietet Verbraucherinnen und Verbrauchern seit Juli 2011 die Möglichkeit, sich über die Lebensmittelkennzeichnung zu informieren und unklare Produktkennzeichnungen zur Veröffentlichung zu melden. Im Rahmen des Projekts finden zudem Dialoge mit Anbietern statt. Ziel ist es, dass Hersteller freiwillig die Kennzeichnung von Produkten im Sinne der Verbraucher ändern.

Das Projekt Lebensmittelklarheit wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Studien

  • Zühlsdorf A, Spiller A: Grauzone Lebensmittelkommunikation: Empirische Studie zur Verbraucherwahrnehmung im Spannungsfeld von Informationsanforderungen und Aufmerksamkeitsregeln. Göttingen, im Juni 2012
  • Zühlsdorf A, Kühl S, Spiller A: Marketingtrend Weidemilch. Milchviehhaltung der Zukunft aus Verbrauchersicht. moproweb.de, 5/2014, 4-6