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11.03.2015 > Pressemitteilung

Gutes Leben im Alter braucht Beratung

Senioren; Quelle: Robert Kneschke - Fotolia.com
Mitgliedsorganisationen des vzbv legen Abschlussbericht vor
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Robert Kneschke - Fotolia.com

Ein Jahr lang untersuchten die Mitgliedsorganisationen des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) die Herausforderungen des demografischen Wandels aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher. Nun stellen sie ihre Ergebnisse, Empfehlungen und Forderungen im Abschlussbericht des Projekts „Gutes Leben im Alter“ vor.

Besonderes Augenmerk legt der Abschlussbericht des Projekts „Gutes Leben im Alter“ auf die drei Bereiche Wohnen, Pflege und haushaltsbezogene Dienstleistungen. Für die Diskussion trugen die Mitgliederorganisationen des vzbv ihre Expertise zusammen. Beteiligt sind unter anderem der Verband Wohneigentum und der Bauherrenschutzbund sowie der Arbeiterwohlfahrt Bundesverband.

„Für die Zeit nach der Erwerbstätigkeit stehen für viele Menschen weitreichende Lebensentscheidungen an, die auch aufgrund ihrer finanziellen Folgen gut durchdacht werden sollten. Verbraucherinnen und Verbraucher benötigen dafür gute Beratung. Deshalb muss eine fachspezifische Beratung stärker ausgebaut und vernetzt werden“, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv. Außerdem sei es notwendig, den Bau barrierefreier Wohnungen zu fördern, Pflege für Angehörige weiter zu erleichtern und die Zahl qualifizierter Pflegefachkräfte zu steigern.

Bundesregierung hat noch viel zu tun

Die Bundesregierung hatte sich 2013 im Koalitionsvertrag vorgenommen, das Leben der alternden Gesellschaft umfassender zu gestalten. Einige Veränderungen wurden auch bereits auf den Weg gebracht, wie das Pflegestärkungsgesetz I. „Die Richtung stimmt, aber die Maßnahmen greifen noch zu kurz“, so Müller.

Die Ergebnisse des Abschlussberichts im Detail:

Wohnen

Schon heute hinkt der Bestand an barrierearmen beziehungsweise barrierefreien Wohnungen dem Bedarf hinterher. Um die Zahl der altersgerechten Wohnungen zügig zu erhöhen, sind zusätzliche staatliche Fördermaßnahmen erforderlich. Außerdem gilt es, den viel zu geringen Bestand an altersgerechten Sozialwohnungen auszubauen und beim Wohngeld für Einkommensschwache die besonderen Anforderungen älterer Mitbürger zu berücksichtigen.

Darüber hinaus sollte das Mietrecht angepasst werden. Die Mieter müssen den Umbau, etwa des Badezimmers für eine Rollstuhlnutzung, selber finanzieren. Nach derzeit geltendem Mietrecht können sie beim Auszug sogar zum Rückbau der durchgeführten Umbaumaßnahmen verpflichtet werden. Das schreckt Mieter ab, notwendige Arbeiten zum Abbau von Barrieren selbst durchzuführen. Außerdem sollte sowohl der Erwerb als die Neu- und Weiterentwicklung einfach zu benutzender technischer Assistenzsysteme gefördert werden.

Pflege

Für pflegende Angehörige ist es schwierig, Beruf und Pflegeleistungen auf flexible und bedarfsgerechte Weise miteinander zu verknüpfen. Sowohl beim finanziellen Ausgleich wie auch bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit im Pflegefall sind weitere Nachbesserungen unabdingbar. Des Weiteren gilt es, die Attraktivität von Pflegeberufen zu erhöhen. Faire Entlohnung, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Abschaffung des Schulgelds bei der Ausbildung sind geeignete Maßnahmen. Kommunen müssen außerdem eng in die Weiterentwicklung der Infrastruktur für die Pflege eingebunden werden, um flächendeckend eine gute Versorgung, insbesondere im teilstationären Bereich, zu sichern. Dabei gilt es, die Planungs- und Steuerungskompetenz der Kommunen zu stärken.

Haushaltsbezogene Dienstleistungen (HDL)

Hilfen bei der alltäglichen Haushaltsarbeit tragen maßgeblich dazu bei, Menschen mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Doch es gibt zu wenige qualifizierte Fachkräfte. Schwarzarbeit ist weit verbreitet. Faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen könnten einen Anreiz für Fachkräfte schaffen.

Beratungsbedarf noch nicht gedeckt

In den Köpfen vieler Verbraucher muss ein Wandel stattfinden. Die meisten Menschen verdrängen das Thema „Alter“ und werden erst aktiv, wenn sie müssen. Es gibt aber auch Menschen, die eine neue Lebensphase aktiv gestalten wollen, die sich rechtzeitig informieren und vorausschauend den Umbau, die ambulante Pflege oder den Umzug in ein Wohnheim planen möchten.

Beide Gruppen haben das gleiche Problem: Sie finden nur selten Antworten auf ihre Fragen. Es gibt zwar qualifizierte Beratungsangebote, diese sind aber in jedem Bundesland unterschiedlich und meist unübersichtlich organisiert. Daher gilt es, Kompetenzen zu bündeln. Angebote müssen strukturiert und bei Bedarf ausgebaut werden. Insbesondere die aufsuchende Beratung muss gestärkt werden, denn Hausbesuche sind in der Beratung älterer Menschen ein wichtiger Baustein. Die Verknüpfung von zentralen Anlaufstellen und fachspezifischen Beratungsangeboten kann dabei helfen, die Markttransparenz zu verbessern, Hemmschwellen abzubauen und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.