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15.03.2013 > Pressemitteilung

Banken umgehen Transparenzpflicht

Initiative Finanzmarktwächter veröffentlicht Untersuchung zum Verkauf von Wertpapieren
Quelle: 
pure-life-pictures - fotolia.com

Verbraucher werden im Finanzmarkt nicht ausreichend informiert. Darauf weist der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) anlässlich des Weltverbrauchertags hin. Der Grund: Banken und Sparkassen umgehen die Offenlegung von Provisionen bei Wertpapiergeschäften. Sie verkaufen Wertpapiere in Form eines Festpreisgeschäfts. So müssen sie ihre Gewinnmargen nicht nachweisen. Auf diese Weise können Finanzinstitute ihr eigenes Interesse am Verkauf bestimmter Produkte verschleiern. Dass sie das tun, zeigt eine Untersuchung der Initiative Finanzmarktwächter: Banken und Sparkassen lassen sich nur ungern in die Karten schauen, ein Großteil verweigerte die Teilnahme an der Befragung komplett.

Die Initiative Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen und des vzbv befragte 126 Kreditinstitute, ob und wann sie Wertpapiergeschäfte als Festpreis- oder als Kommissionsgeschäft durchführen und wie sie ihre Kunden über Margen und Provisionen aufklären. Ungewöhnlich war der niedrige Rücklauf der Fragebögen. Nur 20 Prozent der angeschriebenen Banken und Sparkassen beantworteten die gestellten Fragen, der Rest verweigerte eine Auskunft. Aus den Rückläufen geht hervor, dass 80 Prozent der Institute Wertpapiere auch als Festpreisgeschäfte vertreiben. Das gilt besonders beim Vertrieb von Zertifikaten und Investmentfonds.

Regeln für Festpreisgeschäfte anpassen

Das Problem: Bei Kommissionsgeschäften erhält das Kreditinstitut üblicherweise die Differenz zwischen dem offiziellen Ausgabe- und Rücknahmepreis als Provision. Diese Provision muss sie dem Kunden gegenüber ausweisen. Sobald sie dieselben Fondsanteile aus ihrem Eigenbestand im Rahmen eines Festpreisgeschäfts an den Kunden veräußert, enthält der Preis insgeheim einen Aufschlag. Diese Marge müssen die Kreditinstitute aber nicht offenlegen, weil es sich formal um keine Provision handelt.

Gerd Billen, Vorstand des vzbv, sagt: „Wenn Banken, Sparkassen und andere Wertpapierdienstleister Schlupflöcher nutzen, indem sie Kommissionsgeschäfte formal durch Festpreisgeschäfte ersetzen, um ihre Eigeninteressen am Vertrieb nicht auszuweisen, ist das kein gutes Zeichen für einen fairen Kundenumgang. Der Gesetzgeber muss diese Aufklärungslücken schließen und die gleichen Regeln für Festpreisgeschäfte festsetzen. Die Untersuchung zeigt, wie wichtig es ist, den Finanzmarkt aus der Perspektive der Verbraucher zu prüfen.“

Finanzmarktwächter kann Verbraucher besser schützen

Um Verbraucher besser am Finanzmarkt zu schützen, fordert Billen die Einführung eines Finanzmarktwächters. Auf Grundlage der Beschwerden bei den Verbraucherzentralen kann er helfen, die Erkenntnisse zusammenzuführen und auszuwerten. Erkennen, informieren, handeln: Mit diesem Grundsatz entstehe zusammen mit der staatlichen Aufsicht eine wirksame Struktur aus nichtstaatlicher Marktbeobachtung und staatlicher Kontrolle. „Das Ziel muss sein, präventiv zu wirken und zu verhindern, dass Verbrauchern Verluste in Milliardenhöhe entstehen“, so Billen.