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02.09.2014 > Onlinemeldung

Mythen und Tatsachen zu Ökodesign und dem Energielabel

Quelle: 
opolja - fotolia.com

Viele Verbraucher achten beim Kühlschrankkauf auf das Energielabel, das bei der Wahl effizienter Geräte hilft. Ab dem 1. September 2014 werden Energielabel und Ökodesign-Mindestvorgaben auch bei Staubsaugern verpflichtend. Im Jahr 2015 kommen Ökodesign und Energielabel auch für Dunstabzugshauben, Haushaltsbacköfen, Kochfelder, Raumheizgeräte, Warmwasserbereiter und Warmwasserspeicher. Für weitere Geräte sind die Vorgaben in Planung. Jedes Mal gibt es im Vorfeld unzählige Kontroversen. Zeit, um mit einigen Mythen rund um Ökodesign und Energielabel aufzuräumen.

Mythos: „Der Verbraucher bekommt weniger „leistungsfähige Produkte“ durch die Mindeststandards und muss mehr bezahlen.“
Tatsache: In den allermeisten Fällen der inzwischen 25 erlassenen Ökodesignregelungen ändert sich für die Verbraucher so gut wie nichts – außer einer möglichweise sinkenden Stromrechnung. Beispielsweise nach dem Kauf von Stand-By-Geräten oder Kühlschränken. Auch bei Staubsaugern hängt die Leistungsfähigkeit weniger von der Watt-Zahl als vom Produkt-Design (Luftdichtheit, Düsenform usw.) ab. Laut Stiftung Wartentest (Februar 2014) besteht kein Grund zur Sorge, dass die Geräte durch den EU-Grenzwert von max. 1600 Watt schlechter saugen würden. Der Testsieger der 74 getesteten Produkte brauchte sogar nur 870 Watt. Die EU orientiert sich bei der Standardsetzung an den geringsten Gesamtkosten für Verbraucher (Anschaffungspreis + Stromkosten über die Lebensdauer) – darum sinken die Kosten für Verbraucher sogar.

Mythos: „Ökodesign wird in dunklen Hinterzimmern von regelungswütigen EU-Bürokraten gegen den Widerstand der Verbraucher ausgekungelt.“
Tatsache: Der Prozess hin zu einer Ökodesign- und Labelvorgabe ist transparent, klar durchstrukturiert und sorgfältig vorbereitet. Die Regelungen werden in enger Abstimmung und Übereinkunft mit Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen sowie den Hersteller-Verbänden der betroffenen Produkte auf Basis fundierter wissenschaftlicher Untersuchungen ausgearbeitet. Im Übrigen verzichtet die EU auf eine Verordnung (Artikel 15 der Ökodesign-Richtlinie), wenn von einer Produktgruppe nur unerhebliche Umweltauswirkungen ausgehen, kein hohes Einsparpotenzial besteht und ein Marktvolumen von 200.000 Stück pro Jahr unterschritten wird. Außerdem gibt die EU freiwilligen Eigeninitiativen von Herstellern Vorrang, wenn diese selbst Vereinbarungen zur Energieeinsparung treffen (dies gilt bereits für Drucker, Kopierer und Faxgeräte oder Werkzeugmaschinen).

Mythos: „Das ist nicht Aufgabe der EU, die hat Wichtigeres zu tun.“
Tatsache: Kernaufgabe laut EU-Vertrag ist die Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes. Dazu gehören auch einheitliche Produktstandards in puncto Qualität, Verbraucher- und Umweltschutz (Artikel 114, 169 und 191 AEUV). Kein Hersteller will 28 verschiedene Produkte für 28 unterschiedliche Gesetzesanforderungen in den EU-Ländern herstellen. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, Energie zu sparen und unabhängiger von Energieimporten zu werden. Dazu tragen auch die vermeintlichen Kleinverbraucher mit vielen Milliarden Kilowattstunden bei.

Mythos: „Ökodesign und Label schaffen zusätzliche Bürokratie.“
Tatsache: Die Regelungen betreffen nur die Hersteller von Produkten und orientieren sich an etablierten Normen, mit denen diese ohnehin arbeiten. Sie sind so weniger Bürokratie ausgesetzt, als wenn es in jedem Land dazu Einzelregelungen gäbe. Der Verbraucher muss sich mit diesen Gesetzen nicht auseinander setzen. Er findet nach Übergangfristen automatisch nur noch Produkte im Handel, die den Anforderungen entsprechen.

Mythos: „Die EU plant neue Produkt- bzw. Verkaufsverbote.“
Tatsache: Kein Produkt wird durch die EU verboten. Die Standards regeln nur, welche Leistung (z. B. Waschleistung, Lichtausbeute) pro eingesetzte Kilowattstunde erzielt werden muss und orientieren sich an den geringsten Kosten für Verbraucher. Produkte mit stark veralteten Technologien fallen hier ggf. raus. Ein Verkaufsverbot für den Handel gibt es nicht – was noch in den Lagern ist, darf zeitlich unbeschränkt weiter verkauft werden.

Mythos: „Die Vorgaben rund um Ökodesign und Label benachteiligen deutsche Anbieter.“
Tatsache: Qualitätsstandards helfen, minderwertige Billigimporte vom europäischen Markt fernzuhalten. Mittlerweile kopieren sogar viele Nicht-EU-Länder die Ökodesign-Vorgaben und übernehmen diese in ihre eigene Gesetzgebung (z. B. China, Norwegen).

Mythos: „Verbraucher werden gezwungen ihre älteren Geräte auszutauschen.“
Tatsache: Kein Verbraucher wird gezwungen, vorhandene Geräte auszutauschen. Die Richtlinie betrifft nur neue Geräte. Der Verbraucher wird lediglich vor der Anschaffung von Energiefressern geschützt, wenn er sich ohnehin ein neues Gerät kauft. Wer freiwillig Geräte kaufen möchte, die noch effizienter als der Mindeststandard sind, kann sich mit Hilfe der Energielabel orientieren.