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02.03.2016 > Onlinemeldung

Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge: Entscheidung wird Patientinnen aufgebürdet

Frauen müssen sich zwischen Testverfahren entscheiden
Quelle: 
Sven Bähren - fotolia.com

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat einen Antrag der Patientenvertretung abgelehnt, mit dem die Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge verbessert werden sollte. Zukünftig müssen sich Frauen ab 30 Jahren in der gynäkologischen Praxis entscheiden: Sie können wie bisher einen jährlichen zytologischen Abstrich (PAP-Test) machen lassen oder sie können alle fünf Jahre einen Test auf humane Papillomaviren (HPV-Test) durchführen lassen, mit dem das Erkrankungsrisiko zielgenauer festgestellt werden kann.

Die Krankenkassen müssen nach dem Beschluss im Gemeinsamen Bundesausschuss in einer Optionsphase von mindestens sechs Jahren wahlweise jeweils eines der genannten Testverfahren bezahlen. Ärzte können das jeweils andere Testverfahren zusätzlich als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anbieten.

Die Patientenvertretung, in der der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) mitwirkt, hatte mit ihrem Antrag ein anderes Vorgehen angeregt: Sie wollte erreichen, dass möglichst alle Frauen über 30 Jahren den HPV-Test machen lassen können, ohne auf den gewohnten PAP-Test verzichten zu müssen. Die Krankenkassen hätten in einer Übergangsphase beide Tests bezahlen sollen.

„Die Regelung zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge zeigt einmal mehr, wie die ökonomischen Interessen der Ärzteschaft und der Krankenkassen in Deutschland zu einer qualitativ schlechteren Versorgung als in anderen europäischen Ländern führen. Bedenklich ist hier vor allem, dass die Entscheidung Frauen aufgebürdet wird, die wahrscheinlich darauf vertrauen, dass ihr Arzt ihnen die bestmögliche Versorgung anbietet“, sagt Ilona Köster-Steinebach, Referentin im Team Gesundheit beim vzbv.

Ärzte haben bei der Beratung ihrer Patientinnen unter Umständen ökonomische Interessen, weiterhin den PAP-Test durchzuführen, weil Patientinnen dann jedes Jahr in die Arztpraxis kommen. Zusätzlich kann der Arzt in der Beratung darauf hinwirken, dass der HPV-Test wie bisher als individuelle Gesundheitsleistung von der Patientin selbst bezahlt wird.

Der HPV-Test wurde in der Vergangenheit nicht routinemäßig im Rahmen der Krebsfrüherkennung eingesetzt, sondern zählte zu den individuellen Gesundheitsleistungen, die selbst bezahlt werden müssen. Alle Krankenkassen übernahmen die Kosten aber unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel wenn ein Zellabstrich auffällig war oder um den Behandlungserfolg nach einer Operation am Gebärmutterhals zu überprüfen.

In Deutschland ist die Rate der gefährlichen Krebserkrankungen am Gebärmutterhals im europäischen Vergleich noch immer auf einem hohen Niveau. Die Evidenz für den HPV-Test ist gut. In den Niederlanden und Italien wird er in der Regelversorgung eingesetzt.

Die Patientenvertretung im G-BA

Die Patientenvertretung im G-BA besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der vier maßgeblichen Patientenorganisationen entsprechend der Patientenbeteiligungsverordnung: Deutscher Behindertenrat, Bundesarbeitsgemeinschaft PatientInnenstellen und -initiativen, Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. und vzbv. Die Patientenvertretung im G-BA kann mitberaten und Anträge stellen, hat aber kein Stimmrecht.

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