Initiative Finanzmarktwächter: Massiv gegen massive Missstände

Frühwarnsystem im Finanzmarkt

01.03.2012
Die Rolle des Finanzmarktwächters; Quelle: vzbv

Mit der Initiative Finanzmarktwächter bündeln die Verbraucherzentralen ihre Kräfte, um auf andauernde massive Missstände im Finanzmarkt aufmerksam zu machen. Im Fokus stehen unfaire Vertriebsmethoden, ineffiziente Produkte oder Störungen im Wettbewerb.

Mit der Initiative Finanzmarktwächter bündeln der Verbraucherzentrale Bundesverband und die Verbraucherzentralen seit 2011 ihre Kräfte, um auf andauernde massive Missstände im Finanzmarkt aufmerksam zu machen. Im Rahmen dieses aus Eigenmitteln finanzierten Pilots wird eine vertiefte Marktbeobachtung und -analyse beim Angebot von Finanzdienstleistungen exemplarisch und erfolgreich erprobt. Im Fokus stehen unfaire Vertriebsmethoden, ineffiziente Produkte oder Störungen im Wettbewerb. Die Initiative zeigt, wie notwendig eine systematische verbraucherorientierte Marktbeobachtung ist.

Aktionen der Initiative Finanzmarktwächter

  • Der Fall Ergo war ein drastischer Beleg für provisionsgeleitete Missstände im Vertrieb von Altersvorsorgeprodukten. Die Initiative Finanzmarktwächter forderte die Finanzaufsicht Bafin auf, die Ergebnisse ihrer Sonderprüfung öffentlich zu machen.

  • Im April 2011 hat die Initiative Finanzmarktwächter private Anleger dazu aufgerufen, ihre Banken und Sparkassen um eine Auflistung der Provisionen zu bitten, die sie für konkrete Anlageempfehlungen erhalten haben. Nur in zwei Prozent der Antworten legten Banken die erhaltenen Provisionen vollständig offen.

  • Eine Expertenbefragung der Initiative Finanzmarktwächter in Schuldnerberatungsstellen zeigte, dass der Wechsel von einem teuren Dispo- in einen günstigeren Ratenkredit nur selten möglich ist. Die Berater gaben an, dass im Schnitt 70 Prozent solcher Wechselwünsche abgelehnt oder gar nicht erst beantwortet werden.

  • Durch den Abschluss von Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen haben Verbraucher in den letzten 10 Jahren bis zu 160 Milliarden Euro Verlust erlitten. Das ergab eine Studie im Auftrag der Verbraucherzentrale Hamburg, die im Rahmen der Initiative Finanzmarktwächter vorgestellt wurde.

  • Zwischen September 2011 und Februar 2012 hat die Initiative Finanzmarktwächter untersucht, wie die Protokollpflicht in der Anlageberatung umgesetzt wird. Die beobachtete Praxis stellt das erklärte Ziel der Regelung auf den Kopf. Die Protokolle schützen eher die Berater und Vermittler vor Schadenersatz als die Verbraucher vor Falschberatung.

  • Die Initiative Finanzmarktwächter befragte April 2012 Kreditinstitute, ob und wann sie Wertpapiergeschäfte als Festpreis- oder als Kommissionsgeschäft durchführen und wie sie ihre Kunden über Margen und Provisionen aufklären. Nur 20 Prozent der angeschriebenen Banken und Sparkassen beantworteten die gestellten Fragen, der Rest verweigerte eine Auskunft.

  • In einer Untersuchung der Initiative Finanzmarktwächter wurden im Zeitraum vom 01.08.2012 bis 31.1.2013 bundesweit Rückmeldungen von Verbrauchern ausgewertet, die ihre Kreditgeber aufgefordert hatten, das Bearbeitungsentgelt zurückzuzahlen. In knapp der Hälfte aller Fälle behaupteten die Banken und Sparkassen, das Entgelt sei mit den Verbrauchern individuell ausgehandelt worden und damit nicht angreifbar. In knapp 30 Prozent der Fälle beriefen sich die Kreditinstitute darauf, dass die oberlandesgerichtliche Rechtsprechung für sie nicht maßgeblich sei und es kein höchstrichterliches Urteil darüber gebe.

  • Eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die zusammen mit der Initiative Finanzmarktwächter entwickelt wurde, zeigt jetzt, dass kein einziges der untersuchten Vermögensanlagen-Informationsblätter alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt.

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