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23.06.2017 > Dokument

Vergleichsportale müssen transparenter werden

Viele Finanzvergleichsportale sind nicht so objektiv wie sie versprechen
vzbv legt Positionspapier vor
Quelle: 
Antonioguillem - fotolia.com

Rund jeder zweite Internetnutzer hat schon einmal ein Vergleichsportal genutzt, um Preise für Produkte zu vergleichen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von forsa, die der vzbv im Februar 2017 in Auftrag gab. Mit zwei umfangreichen Studien hat der vzbv die Qualität von Vergleichsportalen bei bestimmten Produkten untersuchen lassen. Dabei zeigte sich: Es fehlen gesetzliche Rahmenbedingungen, damit Verbraucher hier den Durchblick behalten können. Der vzbv hat deshalb ein Positionspapier mit Forderungen an die Politik erarbeitet.

„Rankings auf Vergleichsportalen sollten unabhängig von Provisionszahlungen oder Geschäftsbeziehungen erfolgen müssen. Alles andere ist Werbung und sollte nicht als unabhängiger Vergleich ausgegeben werden dürfen“, sagt Jutta Gurkmann, Leiterin des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim vzbv.

„Betreiber von Vergleichsportalen sollten über Rankingmethoden und Finanzierung an einer prominenten Stelle des Portals umfassend und leicht verständlich informieren. Dann können Verbraucherinnen und Verbraucher besser einschätzen, inwieweit sie dem Portal vertrauen können.“

Finanzierungsmodelle offenlegen

Exemplarisch zeigen zwei Studien des vzbv zu Versicherungen, Ratenkrediten und Konsumentenkrediten die Schwächen vieler Vergleichsportale in unterschiedlichen Branchen auf. Verbraucher können keinesfalls sicher sein, dass sie in der Standardsortierung an erster Stelle das beste Ergebnis erhalten. Bei manchen Anbietern ist als Standard die Sortierung nach „Empfehlung“ voreingestellt. Welche Anbieter wo in der Liste auftauchen, ist nicht nachvollziehbar. Es fehlen Informationen darüber, inwiefern Provisionszahlungen das Ranking beeinflussen. Auch welche Anbieter überhaupt in den Vergleich einbezogen werden, können Nutzer nicht sehen.

Oftmals ist nicht sichergestellt, dass Verbraucher auch für sie passende Produkte erhalten. Bei einem Immobilienkredit oder einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann das langfristig fatale Folgen haben, die für Verbraucher nicht absehbar sind. Verbraucher können die Qualität dieser Produkte nach dem Kauf selbst nicht direkt feststellen. Für solche Vertrauensgüter fordert der vzbv deshalb besonders strenge Kriterien, etwa den Schutz der Bezeichnung „Vergleichsportal“ und ein komplettes Provisionsverbot.

Für andere Vergleichsportale sollten Provisionszahlungen zwar zulässig sein, sie sollten aber deutlich offengelegt werden müssen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass sie nicht die Reihenfolge im Ranking beeinflussen. Das ist bisher nicht gewährleistet, wie eine stichprobenhafte Analyse des vzbv von Reiseportalen zeigt. Bei mindestens zwei großen Online-Reiseportalen können sich Hotels eine bessere Rankingposition erkaufen.

Damit Verbraucher tatsächlich in die Objektivität von Vergleichs- und Buchungsportale vertrauen können, stellt der vzbv branchenübergreifend beispielsweise folgende Anforderungen an Buchungs- und Vergleichsportale:

Objektivität herstellen
 

In die Algorithmen der Vergleiche dürfen nur objektive, für den Produktvergleich aus Verbrauchersicht relevante Kriterien einfließen.

Provisionen, Zahlungen oder geschäftliche Beziehungen zwischen Anbieter und Vergleichsportal dürfen keinen Einfluss auf die Darstellung der Produkte in der Ergebnisanzeige sowie das Ranking haben.

Provisionen transparent machen
 

Falls Zahlungen von Anbietern an Buchungs- und Vergleichsportale erfolgen, muss dies an prominenter Stelle transparent gemacht werden. Zahlungen können legitim für die Vermittlung sein, in keinem Fall jedoch für das Erkaufen von Rankings oder Bestenplätzen in der Ergebnisanzeige. Für die Vermittlung von Vertrauensgütern wie Finanzdienstleistungen fordert der vzbv ein Provisionsverbot.

Informationspflichten einführen
 

Im Telemediengesetz soll gesetzlich verankert werden, dass Betreiber von Buchungs- und Vergleichsportalen über Vergleichsmethoden, Ranking und Finanzierung des Portals umfassend und leicht verständlich informieren müssen. Insbesondere die Kriterien, nach denen das Ranking erfolgt, müssen an prominenter Stelle leicht zugänglich auf der Plattform bereitgestellt werden.

Reichweite der Vergleiche offenlegen
 

Anbieter von Vergleichs- und Buchungsportalen müssen kenntlich machen, welche Anbieter in die Vergleiche einbezogen werden. Insbesondere wenn relevante Anbieter, Tarife oder Vertriebswege nicht von dem Portal erfasst werden. Tarife, die exklusiv über das Portal angeboten werden, sind zu kennzeichnen. Nur so können Verbraucher die Qualität der Portale bezüglich ihrer Reichweite über alle verfügbaren Anbieter erkennen.

Downloads

Vergleichs- und Buchungsportale | Positionspaper des vzbv | Juni 2017