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25.11.2014 > Dokument

Startschuss für eine nationale Präventionsstrategie

Stellungnahme zum Referentenentwurf Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention
Quelle: 
Fotolia.com / Photosg

Vorsorge ist besser als Nachsorge. Die Bundesregierung möchte daher die Prävention und Gesundheitsförderung stärken und hat einen Gesetzentwurf vorgelegt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) befürwortet die Initiative, kritisiert allerdings, dass der Ansatz zu kurz greift. Eine Verortung allein im Rahmen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist keinesfalls ausreichend. Ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz unter Einbezug der Ernährung ist notwendig. Für Patientenorganisationen ist zu wenig Mitspracherecht vorgesehen.

„Die Einführung einer nationalen Präventionsstrategie ist ein wichtiger erster Schritt. Aber Prävention ist ein Thema, das die gesamte Gesellschaft angeht. Dieser Ansatz kommt im Referentenentwurf noch zu kurz“, sagt Ingmar Streese, Bereichsleiter Verbraucherpolitik beim vzbv.

Evaluation der Maßnahmen notwendig

Zwar soll nun mehr Geld in die Prävention gesteckt werden: Im Jahr 2012 zahlten die Krankenkassen dafür 238 Millionen Euro. Diese Summe soll sich auf rund 500 Millionen Euro verdoppeln. Das ist aber immer noch nur ein winziger Bruchteil des Budgets von rund 240 Milliarden Euro für kurative Gesundheitsleistungen. Positiv hervorzuheben ist, dass soziale und verhaltensbedingte Risiken einen höheren Stellenwert bekommen. Maßnahmen zur Früherkennung haben keinesfalls ausschließlich förderliche Wirkungen, da falsch-positive Befunde - z.B. bei der Krebsfrüherkennung - eine große psychische Belastung und eine Risiko für Über- und Fehlbehandlung für die Betroffenen darstellen. „Der wissenschaftlichen Evaluation von Präventionsmaßnahmen muss hier mehr Beachtung zukommen“, sagt Streese. 

Verbrauchaufklärung und -bildung wichtig

Der vzbv gibt zu bedenken, dass der Gesetzentwurf keine geeigneten Angebote für sozial Schwache, Kinder und Migranten vorsieht. Diese Gruppen würden mit reinen Aufklärungsangeboten, wie sie charakteristisch für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind, nicht erreicht. Stattdessen müsse man aus der Erfahrung lernen und Konzepte entwickeln, die aktiv auf sozial benachteiligte Bürger zugehen. Das Gesetz muss der Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung in der Gesellschaft ebenso mehr Gewicht geben. Diese ist Voraussetzung für einen gesundheitsfördernden Lebensstil und muss somit zentraler Bestandteil einer ganzheitlichen Präventionsstrategie sein. Streese hierzu: „Als eigenständiges achtes Gesundheitsziel muss 'Gesunde und ausgewogene Ernährung' definiert und im Rahmen des Gesetzes verankert werden.“  

Gefahr reiner Marketingmaßnahmen

Die vorgesehenen reinen finanziellen Boni für Versicherte, wenn sie sich gesundheitsbewusst verhalten, setzen falsche Anreize bei Versicherten und Krankenkassen. Problematisch würde es, wenn Bonuszahlungen verknüpft werden mit der Einsichtnahme und Überwachung persönlicher medizinischer Daten. Subunternehmen von Krankenkassen haben sich in der Vergangenheit nicht immer als zuverlässige Datentreuhänder im Interesse der Patienten erwiesen.

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Praeventionsgesetz-Referentenentwurf-Stellungnahme-vzbv-2014-11-21.pdf