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22.07.2014 > Dokument

Rundfunk: Umstellung auf Frequenzband DVB-T2 bis 2019

vzbv fordert kostengünstige technische Umrüstung für neuen Fernsehstandard
Quelle: 
Peter Atkins – fotolia.com

Die 700 Megahertz-Frequenzen, die derzeit noch vom Rundfunk genutzt werden, sollen nach den Vorstellungen der Bundesregierung so schnell wie möglich für die mobile Breitbandnutzung freigegeben werden. Dafür ist es erforderlich, dass der Rundfunk dieses Frequenzband räumt und in einen anderen Frequenzbereich umzieht. Das wird mit der Umstellung auf den neuen Standard DVB-T2 möglich. Wichtig dafür ist jedoch ein ausreichender Vorlauf, so der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Denn neue Endgeräte zum Fernsehempfang im neuen Frequenzbereich sind zur Zeit noch gar nicht am Markt. Künftig sollen TV-Geräte serienmäßig mit der neuen Technologie ausgestattet werden.

 

Fernsehen ist heute nach wie vor das Medium der elektronischen Massenkommunikation. Kabel-, Satelliten- oder Telefonnetzbetreiber sorgen für hochwertige Übertragungen. Mittlerweile haben auch die großen privaten Fernsehanbieter signalisiert, sich an der Umstellung zu beteiligen. Die RTL-Gruppe hat ihre frühere Position revidiert, und auch ProSiebenSat.1 steht dem neuen Standard offen gegenüber. Es kommt nun aber darauf an, den Umstieg von DVB-T1 auf DVB-T2 möglichst verbraucherfreundlich zu gestalten – also kostengünstig und mit weiterhin unverschlüsseltem Empfang.

vzbv gegen verschlüsselte TV-Angebote

Die privaten Sender wollen ihre Programme künftig verschlüsselt ausstrahlen. Der vzbv spricht sich – gemeinsam mit den Verbraucherzentralen – gegen eine solche Verschlüsselung aus, unabhängig von Verbreitungsweg und Übertragungsstandard. Denn Fernsehen ist durch Rundfunkgebühren oder Werbeeinnahmen finanziert. „Es ist nicht einsehbar, warum Verbraucher zusätzlich für eine Entschlüsselung zahlen sollen, wenn die neue Übertragungstechnik eingeführt wird“, so Ilja Braun, Referent für Telekommunikation beim vzbv.

Offen ist, bis wann die komplette Umstellung erfolgen kann und wie lange alte und neue Sendesignale parallel ausgestrahlt werden. Je kürzer diese Phase ist, desto eher besteht die Gefahr, dass Verbraucher überstürzt neue Endgeräte kaufen müssen.

Mit Frequenzversteigerung soll schnelles Internet finanziert werden

Die Interessen der Fernsehanbieter sind dabei nicht dieselben wie die des Bundesverkehrsministers, der auch für den Breitbandausbau zuständig ist. Für Alexander Dobrindt ist ein rascher Umstieg wünschenswert, da die geplante Frequenzversteigerung zusätzliche Einnahmen mit sich bringt. Mit dem Erlös soll der Breitbandausbau für schnellere Internetverbindungen finanziert werden. Laut Koalitionsvertrag soll in Ballungsgebieten und auf dem Land bis 2018 eine flächendeckende Versorgung mit einem schnellen Internet von 50 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) erreicht werden.

Eine 2013 vom TÜV Rheinland im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Studie beziffert den Finanzbedarf für eine Versorgung von 75 Prozent aller Haushalte mit einem schnellen Internetzugang auf rund fünf Milliarden Euro. Die flächendeckende Erschließung bis 2018 würde demnach sogar insgesamt 20 Milliarden Euro kosten. Die Bundesnetzagentur schätzt den Wert der 700 MHz-Frequenzen in ihrer Einnahmeprognose jedoch auf etwa 450 Millionen Euro. Für den Breitbandausbau bräuchte Minister Dobrindt also ohnehin deutlich mehr Geld, als er durch die Frequenzversteigerung einnehmen wird. Wo dieses Geld herkommen soll, ist derzeit offen.

Die Umstellung auf DVB-T2 kann aus Sicht des vzbv aber durchaus bis Mitte 2019 gelingen.

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