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Massiv gegen massive Missstände

Die Initiative Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen

01.03.2012
Die Rolle des Finanzmarktwächters; Quelle: vzbv

Mit der Initiative Finanzmarktwächter bündeln die Verbraucherzentralen ihre Kräfte, um auf andauernde massive Missstände im Finanzmarkt aufmerksam zu machen. Im Fokus stehen unfaire Vertriebsmethoden, ineffiziente Produkte oder Störungen im Wettbewerb.

Die Initiative soll zeigen, dass eine systematische verbraucherorientierte Marktbeobachtung notwendig ist. Denn die Bedingungen am Finanzmarkt haben sich verschärft: Er ist unübersichtlicher geworden und gehört viel stärker als früher zum Alltag, auch des Ottonormalverbrauchers.

Ob Gesundheit, Alter oder berufliche Risiken - überall gilt es, Entscheidungen mit finanzieller Reichweite zu treffen. Häufig sind Verbraucher dabei überfordert. Viele entscheiden sich infolge von Fehlberatungen und unzureichender Informationen für schlechte oder unpassende Produkte, nicht selten mit verlustreichen Folgen.

Frühwarnsystem Verbraucherzentralen

Dies bringt neue Aufgaben für die Verbraucherzentralen mit sich. Ihre Arbeit dient als wichtiger Sensor für Mängel und Missstände im Finanzmarkt. Verbraucher kommen mit konkreten Problemen in die Beratungsstellen. Die Verbraucherzentralen erfahren frühzeitig, wenn sich Fälle häufen und können marktschädigendes Anbieterverhalten identifizieren. Diese Funktion gilt es durch zusätzliche Ressourcen auszubauen und die Prozesse zu institutionalisieren.

Impulse für die Finanzaufsicht

Als Finanzmarktwächter könnten die Verbraucherzentralen unter anderem der staatlichen Finanzaufsicht Impulse geben, unseriöse Geschäftspraktiken gegenüber privaten Anlegern, Kreditnehmern und Versicherten zu erkennen. Hinweise aus der Beratungsarbeit wären ein Anlass für punktuelle Marktuntersuchungen, etwa durch Umfragen oder verdeckte Käufe (Mystery Shopping).

Auf diese Weise würden systematische Fehlentwicklungen von den Verbraucherzentralen frühzeitig aufgedeckt und im Idealfall durch öffentlichen Druck, das Einschreiten der Finanzaufsicht oder des Gesetzgebers abgebaut, bevor größerer Schaden entsteht. Das Ergebnis: Ein effektiver Beitrag, um Versorgungslücken und Altersarmut zu vermeiden und die Konsumfähigkeit der Verbraucher zu stärken.

Die Initiative Finanzmarktwächter soll das Potential einer solchen Einrichtung aufzeigen. Sie wird vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und allen 16 Verbraucherzentralen getragen.

Aktionen der Initiative Finanzmarktwächter

  • Im April 2011 wurden private Anleger dazu aufgerufen, ihre Banken und Sparkassen um eine Auflistung der Provisionen zu bitten, die sie für konkrete Anlageempfehlungen erhalten haben. Nur in zwei Prozent der Antworten legten Banken die erhaltenen Provisionen vollständig offen.

  • Eine Expertenbefragung Schuldnerberatungsstellen zeigte, dass der Wechsel von von einem teuren Dispo- in einen günstigeren Ratenkredit nur selten möglich ist. Die Berater gaben an, dass im Schnitt 70 Prozent solcher Wechselwünsche abgelehnt oder gar nicht erst beantwortet werden.

  • Zwischen September 2011 und Februar 2012 hat die Initiative Finanzmarktwächter untersucht, wie die Protokollpflicht in der Anlageberatung umgesetzt wird. Die beobachtete Praxis stellt das erklärte Ziel der Regelung auf den Kopf. Die Protokolle schützen eher die Berater und Vermittler vor Schadenersatz als die Verbraucher vor Falschberatung.

  • Durch den Abschluss von Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen haben Verbraucher in den letzten 10 Jahren bis zu 160 Milliarden Euro Verlust erlitten. Das ergab eine Studie im Auftrag der Verbraucherzentrale Hamburg.

  • In einem Positionspapier zum Rentendialog forderte der vzbv politische Führung bei der privaten Altersvorsorge. So seien dringend gesetzliche Maßnahmen erforderlich, um die Vorsorgeprodukte effizienter zu gestalten.

  • Der Fall Ergo war ein drastischer Beleg für provisionsgeleitete Missstände im Vertrieb von Altersvorsorgeprodukten. Der vzbv forderte die Finanzaufsicht Bafin auf, die Ergebnisse ihrer Sonderprüfung öffentlich zu machen.

Alles unter Kontrolle? Aufsicht mit Weitsicht 

Die Veranstaltung "Alles unter Kontrolle? Aufsicht mit Weitsicht" am 7. März 2012 bot Gelegenheit, mit Vertretern aus Politik, Finanzwirtschaft, Wissenschaft und Verbraucherschutz über die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung einer verbraucherorientierten Finanzmarktaufsicht in Verbindung mit einem Finanzmarktwächter zu diskutieren.

Audio: Alles unter Kontrolle? Aufsicht mit Weitsicht

(4:15 Min.)

Pressekontakt

Dorothea Mohn
Referentin Altersvorsorge, Kapitalanlage
fdl@vzbv.de
Dorothea Mohn; Quelle: vzbv