Beraten statt verkaufen: Honorarberatung unverzichtbar

Die Bundesregierung hat erstmals ein Gesetz zur Regelung der Honorarberatung beschlossen – muss in der Umsetzung aber noch nachbessern.

19.12.2012
Ein Mitarbeiter der Bank berät ein Ehepaar; Quelle: fatihhoca / istockphoto.com
Bildquelle: fatihhoca / istockphoto.com

Erstmalig bringt die Bundesregierung ein Konzept auf den Weg, mit der Honorarberatung in Deutschland geregelt werden soll. Das Kabinett greift damit eine langjährige Forderung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) auf. Der vorliegende Entwurf geht aber nicht weit genug, kritisiert der vzbv: Die Gesetzesinitiative beschränkt sich auf die provisionsfreie Honorarberatung zu Wertpapieren und Vermögensanlagen. „Eine gute Beratung kann nur dann funktionieren, wenn sie alle Finanzprodukte umfasst“, sagt Gerd Billen, Vorstand des vzbv. Die gesetzlichen Regeln müssen daher auch die Beratung zu Bausparverträgen, Versicherungen, Krediten und Sparprodukten umfassen. Dafür fordert der vzbv fordert ein eigenes Honorarberatergesetz.

Die meisten Finanzvermittler in Deutschland arbeiten auf Provisionsbasis. Sie sind Verkäufer, statt Berater. Die Folge ist ein provisionsgetriebener Verkauf, der häufig zu Schlecht- und Falschberatung führt. Der vzbv fordert seit Jahren, Verbrauchern zumindest die Wahl zu bieten, ob sie eine provisionsfreie Beratung wollen oder nicht. Bis heute fehlt eine gesetzliche Regulierung, auf deren Grundlage sich ein Wettbewerb zwischen Provisions- und Honorarberatung entwickeln kann. Die wahren Kosten eines Vertragsabschlusses auf Provisionsbasis sind für viele Verbraucher nicht einsehbar – das verhindert einen Kostenvergleich beider Dienstleistungen. Meistens wird sogar suggeriert, die Beratung bei Banken, Sparkassen und sonstigen Finanzvertrieben sei kostenfrei. „Auch Provisionen zahlt letztlich der Kunde. Das Geld wäre für einen Honorarberater besser angelegt, weil er unabhängig von Verkaufsinteressen beraten würde“, so Billen.

Die aktuelle Gesetzesinitiative der Bundesregierung soll die Honorarberatung regeln, bei der es um Wertpapiere oder Vermögensanlagengeht. Eine Einschränkung auf bestimmte Produkte widerspricht aber der Logik der Honorarberatung. Die Honorarberatung soll bedarfsgerechte Lösungen entwickeln. Das kann nur gelingen, wenn grundsätzlich unabhängig, von bestimmten Produkten aus beraten wird. „Der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Fassung ist ein Placebo. Die Finanzberatung muss von den Bedürfnissen des Kunden ausgehen und nicht die Produktempfehlung schon vorgeben“, sagt Billen. „Wir fordern ein Gesetz, das den Berufsstand des Honorarberaters klar definiert. Ein Honorarberater, der Verbrauchern hilft, muss alle Finanzprodukte im Blick haben.“

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