Keine Verbesserungen bei der Krankenhaushygiene

Neues Infektionsschutzgesetz zeigt noch keine Wirkung

06.12.2012

Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes im Sommer 2011 sollte entscheidende Verbesserungen bei der Hygiene in Krankenhäusern bringen. Bis Ende des Jahres sollen die Neuerungen umgesetzt werden. Dafür verantwortlich sind in erster Linie der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), die Länder und natürlich die Krankenhäuser selbst. Was hat sich bisher konkret für Patienten verbessert? Die Bilanz sieht dürftig aus.

Insbesondere der Gemeinsame Bundesausschuss hat seine Aufgaben im Bereich der Versorgungsqualität nicht erfüllt. Er sollte geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienequalität vorgeben und Indikatoren zur Messung der Hygienequalität festlegen, die eine Bewertung und Vergleichbarkeit der Hygienesituation in den Krankenhäusern ermöglichen.

Fehlende Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienequalität

„Seit der Verabschiedung des Gesetzes wurde weder eine Richtlinie noch eine Vorgabe an die Krankenhäuser verabschiedet oder entsprechend geändert“, sagt Ilona Köster-Steinebach, Gesundheitsexpertin im vzbv. Als Sprecherin der Patientenvertretung im G-BA-Unterausschuss Qualitätssicherung sieht sie noch erheblichen Verbesserungsbedarf.
„Der Gemeinsame Bundesausschuss hat keine kontrollierbaren Vorgaben für die Erfassung und Meldung von Infektionen beschlossen oder zum Einsatz von Antibiotika und Desinfektionsmitteln. Auch bei den Regeln für das Hygienepersonal ist er noch nicht tätig geworden. Daraus entstehen gravierende Mängel in Krankenhäusern, die Patienten das Leben kosten könnten.“

Wie aktuelle Untersuchungen zeigen, mangelt es in Krankenhäusern besonders am Personal, um Hygienestandards einzuhalten. Häufig fehlen nicht nur spezielle Hygienefachkräfte, sondern auch allgemeine Pflege- und gut ausgebildete Reinigungskräfte. Der vzbv fordert, dass hier so schnell wie möglich transparent gemacht wird, welche Häuser die Expertenempfehlungen der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) einhalten und welche nicht.

Keine Indikatoren zur Messung der Hygienequalität

Gerade bei der Transparenz bestehen nach wie vor erhebliche Defizite. Bisher gibt es keine Indikatoren, mit denen die Hygienequalität in Krankenhäusern gemessen werden kann. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat zwar zwei Aufträge zur Entwicklung von Messinstrumenten erteilt, aber schon bei der Festlegung des Auftragsgegenstands kam es zu erheblichen Behinderungen durch die Träger des gemeinsamen Bundesausschusses, einer die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Auch wenn mittlerweile beide Aufträge bearbeitet werden, ob dabei jemals etwas Sinnvolles herauskommt, erscheint fraglich. „Ergebnisse, die sich tatsächlich auf die Patientenversorgung auswirken, erwarte ich nicht mehr vor 2018 – wenn sie denn überhaupt tragfähig sein werden“, sagt Köster-Steinebach. Bis dahin können sich Patienten nicht zuverlässig über die Hygiene in Krankenhäusern informieren. „Die Sünder bleiben unentdeckt und Krankenhäuser, die gute Arbeit leisten, können das nicht öffentlich belegen.“

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Pressekontakt

Ilona Köster-Steinebach
Referentin Gesundheitswesen
gesundheit@vzbv.de
Ilona Köster-Steinebach; Rechte: vzbv

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